Brasilien

In Brasilien ist die Waldorfbewegung schon 60 Jahre alt, es gibt dort 63 anerkannte Waldorfkindergärten und 104 weitere Einrichtungen, die sich zum Teil von Waldorferziehung inspirieren lassen. 

Waldorferziehung ist in fast allen Regionen Brasiliens vertreten, die Einrichtungen sind von den kulturellen und geographischen und sozialen Besonderheiten dieser Regionen geprägt. Langsam öffnet sich die Waldorfbewegung auch für die sozial benachteiligten Familien.

Zusammenarbeit. Die im Jahre 1998 gegründete “Federação das Escolas Waldorf no Brasil” ist ein Zusammenschluss aller Waldorfeinrichtungen im Land. 63 Kindergärten sind Mitglied. Alle drei Jahre wird eine große Tagung für Lehrer und Erzieher veranstaltet, die in den Sommerferien stattfindet. Zusätzlich gibt es jährlich kleinere Regionaltagungen.

Ausbildung: Es gibt 14 Seminare um der wachsenden Nachfrage nach Waldorferziehern in diesem großen Land gerecht zu werden. Das Seminar in São Paulo bietet wöchentliche Kurse an, die anderen Seminare sind vierjährige Teilzeitausbildungen, zu denen die Studenten vier Mal im Jahr zusammenkommen.   


Aktuelle pädagogische Anliegen.

  • Wir möchten, dass die sechsjährigen Kinder weiter von der auf das Freispiel orientierten Pädagogik im Kindergarten profitieren können. In einigen Regionen ist es möglich, dass Kinder erst mit 7 Jahren zur Schule gehen, in anderen Regionen ist dies ncht möglich.
  • Wir möchten ein besseres Verständnis der Bedürfnisse des ganz kleinen Kindes entwickeln, um eine spezifische von der Kindergartenpädagogik verschiedene Erziehungspraxis anbieten zu können. In Brasilien gibt es sogenannte Spielgruppen für zwölf ein- bis dreijährige Kinder. Es gibt einige wenige Krippen (für Kinder von 4 Monaten bis einem Jahr). 
  • Die Waldorfbewegung ist dabei, sehr stark zu wachsen. Die FEWB hat daher das Anliegen, auf die die Qualität der Erziehungspraxis in den verschiedenen Einrichtungen zu achten. Wie kann sichergestellt werden, dass der Name „Waldorf“ korrekt verwendet wird? 

Silvia Jensen, Waldorferzieherin in Florianopolis, international tätige Dozentin und Mentorin und Mitglied im IASWECE Council

Internetseite des Bundes der Waldorfschulen


Ukraine

In der Ukraine gibt es zurzeit 4 Waldorfkindergärten, die Teil einer Waldorfschule sind. Sie befinden sich in den großen Städten Kiev, Krivoi Rog, Dnjepropetrovsk und Odessa, wo es leider keine Möglichkeit gibt, sich richtig mit der Natur zu verbinden.

Drei Kindergärten sind staatlich unterstützt, die Eltern bezahlen aber noch zusätzlich Schulgeld. Der Kindergarten in Odessa ist privat und finanziert sich nur durch Elternbeiträge. Dem zurzeit gültigen Ausbildungsgesetz zufolge werden die Kinder mit 6 Jahren eingeschult. Das Gesetz wird aber nicht so streng gehandhabt und die Eltern können entscheiden, ob das Kind mit sechs oder mit sieben in die Schule kommt. In der Waldorfschule sind die jüngsten Kinder einer Klasse die, die im Mai sechs geworden sind.

Die Waldorfpädagogik ist sowohl für Kindergärten als auch für Schulen offiziell vom Ausbildungsministerium als Alternativpädagogik anerkannt. Im Moment haben die Waldorfkindergärten großen Zulauf und es gibt allgemein viel Interesse für Waldorfpädagogik.


Zusammenarbeit. Waldorfschulen und Kindergärten arbeiten in der „Assoziation der waldorfpädagogischen Initiativen in der Ukraine“ zusammen. Die Kindergärtnerinnen haben im Frühjahr ein gemeinsames Landestreffen. IASWECE untertsützt die Organisation dieser Tagung.

Ausbildung. In der Ukraine müssen alle Pädagogen eine staatliche pädagogische Ausbildung absolvieren. Waldorfpädagogen machen zusätzlich eine 3-jährige berufsbegleitende Ausbildung im Waldorfseminar der Ukraine. Im 1. Jahr der Ausbildung machen Erzieher-und Lehrerstudenten gemeinsam die  sogenannten regionalen Grundkurse, die in den Waldorfschulen Kiev, Krivoi Rog, Dnepropetrovsk und  Odessa stattfinden. Im 2. und 3. Jahr spezialisieren sich die Studenten und wandern durch diese Städte.

Kleinkindpädagogik. Vor einigen Jahren fand ein Fortbildungskurs über das „Kind von Geburt bis drei“ mit Edit Frey  aus Stockholm statt. Seit drei Jahren hat Frau Marie-Luise Compani aus Deutschland in Kiev diese Arbeit fortgesetzt. In Odessa gibt es eine Kleinkindgruppe für Kinder von zwei bis vier. Allmählich  entstehen auch in anderen Städten der ganzen Ukraine Gruppen für kleine Kinder.

Ein Blick zurück. Die erste Waldorfkindergarten und die erste Waldorfschule wurden 1993 in Odessa gegründet. Ab 1994 fanden dort auch Ausbildungskurse für Erzieher und Lehrer statt. Das trug dazu bei, dass auch in den anderen großen Städten Waldorfschulen gegründet wurden. Zwischenzeitlich existierten viel mehr Waldorfkindergartengruppen als heute. Sie mussten aus verschiedenen Gründen, vor allen Dingen wegen finanzieller Schwierigkeiten, nach ein paar Jahren wieder schließen.

Aktuelle Fragen. Die politische und ökonomische Krise des Landes, Chaos und Werteverlust prägen die Stimmung im Land. Für die Erzieherinnen sind daher folgende Themen besonders aktuell: Formen der Zusammenarbeit unter Kollegen, Selbstverwaltung, Selbsterziehung des Erziehers sowie die Arbeit mit den Eltern.

Svitlana Eks -Waldorferzieherin in Odessa, Dozentin am Seminar, Mitglied im Council IASWECE


Spanien

Heute gibt es in Spanien 21 Waldorfkindergärten und 29 Initiativen, die auf dem Weg sind, die Anforderungen zu erfüllen, ein etablierter Waldorfkindergarten zu werden. Außerdem gibt es über 40 Kindertagesstätten und 9 Ausbildungszentren mit ungefähr 800 Studenten. In zwei von diesen Zentren werden ausschließlich Erzieherinnen und Erzieher für Kinder von Geburt bis sechs ausgebildet.  

Die Präsenz der Waldorfpädagogik in der spanischen Bildungslandschaft wächst ständig. In der spanischen Waldorfvereinigung können alle Schulen, Kindergärten und Ausbildungsstätten Mitglied werden, die die von uns formulierten Kriterien erfüllen. Auch Einrichtungen aus Portugal, solange bis sie ihre eigene Landesvereinigung gegründet haben. In Portugal gibt es drei etablierte Kindergärten und einige Gründungsinitiativen. An zwei Orten finden Ausbildungskurse statt.

Auch seitens der Universitäten gibt es ein wachsendes Interesse für Waldorfpädagogik. Einige bieten Einführungskurse oder Vorträge über Waldorfpädagogik an, andere besuchen Waldorfeinrichtungen und untersuchen ihre Erziehungspraxis.


Die spanische Waldorfvereinigung publiziert zwei Mal im Jahr einen Rundbrief, der gratis an über 3000 Familien und Freunde verteilt wird und dessen On-line Version 17 000 Abonnenten hat.

Das Erziehungswesen ist in Spanien streng reglementiert. Initiativen für Neugründungen brauchen  daher viel Zeit, bevor sie alle Bedingungen erfüllen, um offiziell als Kindergarten anerkannt zu werden.  Alle Kindergärten und Schulen, ganz gleich ob privat oder staatlich finanziert, müssen den staatlichen Lehrplan anwenden. Angesichts dieser Schwierigkeit haben wir eine große Kapazität entwickelt die staatlichen Vorgaben in eine wunderschöne Waldorfrealität zu übersetzen!

Lourdes Tormes-Granados, Waldorferzieherin in Madrid, Mitglied in Vorstand und Council der IASWECE

Internetseite der spanischen Waldorfvereinigung
Video von einem Waldorfkindergarten in Alicante


Neuseeland

In Neuseeland (=Aotearoa in der Sprache der Eingeborenen) gibt es 25 Waldorfkindergärten, 7 Kindertagestätten und eine größere Anzahl von Eltern-Kind Gruppen. Außerdem gibt es 10 Waldorfschulen, fünf davon haben eine Oberstufe.

Alle diese Einrichtungen sowie drei heilpädagogische Heime für Erwachsene und Kinder sind Mitglied in der „Federation of Rudolf Steiner/Waldorf Schools in New Zealand“.  Der gesamte Bereich der Vorschulerziehung fällt in Neuseeland in die Zuständigkeit des Erziehungsministeriums.  Dies bedeutet einerseits, dass die Einrichtungen vom Staat finanziert werden und es möglich ist, dass alle Eltern bei Interesse ihre Kinder in Waldorfeinrichtungen schicken können, andererseits, dass  staatliche Auflagen berücksichtigt werden müssen.

Ein Blick zurück. Anthroposophie kam durch europäische Siedler schon Anfang des 20. Jahrhunderts nach Neuseeland, schon kurz nachdem Rudolf Steiner seine Vortragstätigkeit in Europa begonnen hatte. Die Anthroposophische Gesellschaft wurde 1933 gegründet und die erste Waldorfschule 1950 in Hastings/ North Island.

 
Ausbildung.  Das „Taruna College“, ein anthroposophisches Ausbildungszentrum, in dem man außer Pädagogik auch bio-dynamische Landwirtschaft, Kunst und Kunsttherapie studieren kann, wurde 1982 gegründet. Hier kann man eine dreijährige, berufsbegleitende Ausbildung zum Waldorferzieher absolvieren, die von der „Federation“ gemeinsam mit dem Taruna College organisiert wird.  Außerdem bietet die „Auckland University of Technology“ einen Bachelor Studiengang zum Waldorferzieher an sowie Fortbildungsmodule in Waldorfpädgogik.

Aktuelle Anliegen. Es hat einige Zeit gedauert, bis sich die Waldorf- und Steinerschulen  für die Kultur der Eingeborenen geöffnet haben. Heute wird das Kulturgut der Maoritanga aber in dem Waldorflehrplan berücksichtigt. – Einrichtungen für Kleinkinderziehung sind in Neuseeland in rasanter Entwicklung, es gibt aber noch keine spezifische Steiner/Waldorf Ausbildung für die Arbeit mit dem Kind von der Geburt bis drei. Auch in der traditionellen Pädagogik gibt es wenig Verständnis für das kleine Kind.

Bekanntlich liegt Neuseeland geographisch sehr isoliert. Obwohl die Waldorfpädagogik hier schon seit über 60 präsent ist, ist es daher nicht einfach für uns, die Verbindung mit Waldorfpädagogen aus anderen Ländern aufrecht zu halten und am internationalen Gedanken und Erfahrungsaustausch teilzunehmen.

Kathy MacFarlane ist Waldorferzieherin in Auckland und Dozentin in den Waldorfausbildungen in Neuseeland und China. Sie ist Mitglied im IASWECE Council.

Interneteseite der Waldorfvereinigung in Neuseeland


Japan

In Japan gibt es rund 60 Waldorfkindergärten. 50 von ihnen sind Mitglied in der „Steiner-Waldorf Vereinigung in Japan“. Einige wenige davon haben keinen Trägerverein, sondern sind von Privatleuten eingerichtet worden.

In Japan gibt es zwei Arten von Einrichtungen für Kinder unter sechs Jahren:

  • Private Kindergärten für 3 – 6 –jährige Kinder, die staatlich anerkannt und finanziell unterstützt werden. Die offiziellen Öffnungszeiten sind 10h bis 14h.
  • Krippen und Kindertagesstätten für Kinder von der Geburt bis drei, die auch ältere Kinder aufnehmen dürfen. Diese Einrichtungen sind von morgens bis abends geöffnet und werden von Familien in Anspruch genommen, in denen beide Elternteile Vollzeit arbeiten.


Früher haben Waldorfkindergärten nur Kinder ab 3 Jahren aufgenommen. Angesichts der wachsenden Zahl von Müttern, die Vollzeit arbeitet, haben sie aber begonnen immer längere Öffnungszeiten anzubieten und auch Kinder unter drei aufzunehmen. Einige Kindergärten haben auch Eltern-Gruppen und Kleinkindgruppen für zwei-jährige. Nach Verabschiedung eines Gesetzes im April 2015, das die Kombination der beiden oben genannten Typen ermöglicht, sind viele Waldorfkindergärten dabei, ihre Struktur zu verändern.

Ausbildung. Die „Steiner- Waldorf Vereinigung in Japan“ organisiert eine dreijährige berufsbegleitende Ausbildung. Der zweite Kurs dieser Art wird gerade abgeschlossen. Diese Kurse wurden durch IASWECE und die Pädagogische Sektion am Goetheanum unterstützt. Es gibt weitere Initiativen für Ausbildungskurse in Osaka und Nagano.

Aktuelle Anliegen. Als Waldorfpädagogen, die in einem nicht christlichen Land in Asien leben und arbeiten, haben wir unsere eigene Kultur studiert, auch von einem anthroposophischen Gesichtspunkt aus, mit der Frage, wie wir die Ideen der Waldorfpädagogik im sozialen und kulturellen Kontext Japans gesellschaftlich wirksam machen können. Als ein Versuch, die Waldorfpädagogik besser bekannt zu machen, veranstalten wir jedes Jahr sogenannte „Waldorf- Eltern Feste“. De Ideen und Anliegen der Waldorfpädagogik in der Öffentlichkeit besser bekannt zu machen sehen wir im Moment als unsere Hauptaufgabe.

Ein Blick zurück:

  • 1975: Durch ein Buch von Prof. Koyashu („Schüler in einer Grundschule in München“) wurde die Waldorfpädagogik in Japan bekannt.
  • Ende der 70iger und Anfang der 80iger Jahre: Eine Reihe von privaten Kindergärten führt Waldorferziehung ein. Dozenten aus Deutschland geben Vorträge und Kurse. Japanische Pädagogen machen Studieneisen nach Deutschland.
  • 1987: Die erste Waldorfschule Japans wird in Tokyo gegründet.
  • Seit 1990: Japanische Pädagogen, die in Europa oder Amerika Waldorferziehung studiert haben, kommen zurück nach Japan und gründen Waldorfkindergärten.
  • 2001: Die „Tokyo Steiner School“ wird von der Regierung offiziell als “School Corporation Steiner Gakuen ” Eine weitere Schule bekommt später diese Anerkennung.
  • 2015: Im Rahmen der neuen Erziehungsrichtlinien werden drei neue Kindertagesstätten gegründet.

Sono Matsuura ist Waldorferzieherin und Dozentin für Waldorfpädagogik in Tokyo. Sie ist Mitglied im IASWECE Council.

Internetseite der Vereinigung  Waldorkindergärten in Japan


Schweden

In Schweden gibt es heute 80 Waldorfkindergärten. Es handelt sich um private, von Vereinen getragene Einrichtungen, die vom Staat finanziert werden und sowohl den nationalen Vorschullehrplan – Lpfö 98 – respektieren, als auch einen gemeinsam beschlossenen Waldorflehrplan – „En väg till frihet” (Ein Weg zur Freiheit).

In den Kindergärten betreuen wir Kinder von 1 – 7 Jahren. Es gibt sowohl Kleinkindgruppen (für 1 bis 3-jährige), klassische Kindergartengruppen (für 3 bis 7-jährige), als auch Gruppen für 1 bis 7-jährige. Unsere Grundwerte sind ein stabiler Tagesrhythmus, Achtsamkeit auf die Umwelt, auf unsere natürlichen Materialien, auf die Entwicklung jeden Kindes, wie es sich im freien Spiel zeigt, und künstlerische und praktische Tätigkeiten. – In Schweden gibt es die Waldorfbewegung seit ungefähr 60 Jahren, sie hat sich durch ein großes, idealistisches Engagement von Eltern und Erziehern bis zu ihrer heutigen Größe hin entwickelt.

Zusammenarbeit. Die RWS Riksföreningen Waldorfförskolors Samråd (RWS), die Landesvereinigung der Waldorfschulen in Schweden, ist ein Forum, das die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch unter den Pädagogen ermöglicht und dadurch die Waldorfeinrichtungen und den anthroposophischen Erziehungsimpuls stärkt. Zwei Mal im Jahr, im Frühling und im Herbst, werden Jahrestreffen mit Vorträgen und Arbeitsgruppen veranstaltet. Gleichzeitig treffen sich Vertreter von 20 schwedischen Regionen und besprechen die Lage und die Herausforderungen für die Kindergärten im ganzen Land.


Aktuelle Anliegen. Wir haben große Schwierigkeiten, die 6-jährigen weiterhin im Kindergarten zu behalten. Alle politischen Parteien haben es sich ins Programm geschrieben, die Schulpflicht für 6-jährige einzuführen. Die meisten Kindergärten haben bereits spezielle Aktivitäten für 6-jährige eingeführt, die von Lehrern der Waldorfschulen betreut werden.

Ausbildung. Die „Waldorflärar högskolan“ (Hochschule für Waldorfädagogik) besteht seit den 70iger Jahren und liegt in einer sehr schönen Umgebung in Bromma, am Stadtrand von Stockholm, ganz in der der Nähe von Solgården, dem ersten in Schweden gegründeten Kindergarten. So können die Studenten durch einen kurzen Blick um die Ecke einen guten Eindruck vom Alltag eines Waldorfkindergartens bekommen… Um das Waldorferzieherdiplom zu bekommen, haben die Studenten die Wahl zwischen einer 3-jährigen Vollzeitausbildung oder einer 5-jâhrigen Teilzeitausbildung. Im Moment studieren insgesamt 280 Studenten an der Waldorflärar högskolan.

Sara De los Santos ist ehemalige Mitarbeiterin der SOFIA Stiftung und Waldorferzieherin. Sie arbeitet in einem Kindergarten im Süden Schwedens und ist IASWECE Council Mitglied.

Zur Internetseite der Landesvereinigung der Waldorfschulen in Schweden
Waldorfausbildung in Schweden


Belgien

Zurzeit werden etwa 1.300 Kinder in 18 Waldorfkindergärten betreut.

Laut Gesetz müssen alle Kinder ab dem Alter von zweieinhalb Jahren im Kindergarten aufgenommen werden, und in vielen Waldorfschulen sind für diese sehr kleinen Kinder Vor-Kinderkindergartengruppen eingerichtet worden mit weniger Kindern in der Gruppe und, wo es möglich ist, mit einem zusätzlichen Helfer. Zusätzlich unterstützt „Salutogenese“, eine auf der Anthroposophie beruhende Organisation für die Kinder von der Geburt bis zum Alter von 3 Jahren, die weitere Entwicklung von Heimen und Tagespflegeinitiativen auf der Grundlage der Waldorfpädagogik in Belgien. Die Waldorfkindergärten in Flandern sind alle einer der 15 Steiner Grundschulen angeschlossen und derzeit gibt es 6 Steiner Oberstufenschulen. Sie sind alle durch das flämische Erziehungsministerium anerkannt und erhalten staatliche Zuschüsse. Es gibt viele Kindergärtengruppen mit 25 Kindern und mehr. Zusätzlich haben die meisten Gruppen nur eine Kindergärtnerin mit meistens keiner oder sehr wenig Hilfe, eine große Herausforderung sowohl für die Kinder als auch für die Kindergärtnerin!

 

Ein Blick zurück: Das Erziehungssystem im vielsprachigen Belgien wurde innerhalb jeder der drei Sprachgemeinschaften unabhängig voneinander organisiert, jedes mit seinen eigenen Gesetzen – das hatte starken Einfluss auf die Entwicklung der Waldorfschulen in Belgien.

Die Initiative für die Einführung der Waldorfpädagogik in Flandern/Belgien entstand durch den Impuls des Antwerpener Notars Emile Gevers in den Jahren 1948-1954. In dieser Zeit war der Streit zwischen Katholiken und Liberalen in Bezug auf Erziehung in Belgien auf seinem Höhepunkt. Als nicht politisch und religiös gebundene Schule bekam die erste Steinerschule grünes Licht, und der erste Waldorfkindergarten begann im September 1954 in Antwerpen mit Caroline Smits-van Giel als Erzieherin. Zur Eröffnung der Schule kamen verschiedene bekannte Anthroposophen aus den Nachbarländern, wie z.B. Herbert Hahn und Ernst Lehrs aus Deutschland. Aber vor allem die Holländer waren gut vertreten und hatten einen großen Einfluss auf den Beginn und die weitere Entwicklung der Waldorferziehung in Flandern mit Willem Zeylmans of Emmichoven, Bernard Lievegoed, Max Stibbe, Daan van Bemmelen und Wim Veltman als einige der prominentesten Persönlichkeiten. 1971 öffnete die Parcival-Schule ihre Pforten als die erste Waldorfschule für Kinder mit speziellen Bedürfnissen und Lernschwierigkeiten. Es dauerte weitere 22 Jahre, bis 1976 die zweite Waldorfschule in Lier gegründet wurde, gefolgt von einem stärkeren Wachstum zuerst in den größeren Städten Gent (1978), Brügge (1979) Löwen (1982) und später in kleineren Städten und Gemeinden. In der Zeit von 1995-1997 erhielten die Rudolf-Steiner-Schulen das Recht, indem sie ihre verfassungsmäßigen Rechte vor Gericht einklagten, ihre eigenen Lehrpläne und speziellen Entwickelungsziele und Ziele zu benutzen.

Zusammenarbeit. Die Steiner Schulen arbeiten in zwei Arbeitsgemeinschaften zusammen (Grundschule und Oberstufe) und einer übergeordneten Vereinigung der Waldorfschulen in Flandern. In diesen Schulgemeinschaften wird über die verschiedenen Erziehungsaufgaben und Herausforderungen entschieden und sie werden an die pädagogischen Mitarbeiter und Arbeitsgruppen zur Bearbeitung weitergegeben. Die Fortbildung ihrer Lehrer ist eine ihrer Aufgaben. Die „Arbeitsgruppe für Waldorfpädagogik von der Geburt bis zu sieben Jahren“ bereitet unter anderem die jährlichen Tagungen vor und begleitet die Entwicklungen in den Kindergärten. Die Vereinigung kümmert sich um die übergreifenden Aufgaben, die über die Ebene der Schulgemeinschaft hinausgehen, wie etwa internationale Zusammenarbeit, rechtliche Aufgaben, Verbindung mit örtlichen pädagogischen Partnern, Qualitätsbestimmungen usw.

Im Gegensatz zur Situation in Flandern ist es im französischen Teil Belgiens viel schwieriger, Waldorfschulen zu gründen. Zurzeit gibt es dort 4 Waldorfkindergärten, von denen 2 zu einer Waldorfgrundschule gehören. In dem kleinen deutschen Teil Belgiens gab es früher einen Waldorfkindergarten, aber der zog vor vielen Jahren nach Deutschland um.

Ausbildung. Es gibt keine grundständige Vollzeitausbildung auf der Grundlage der Waldorfpädagogik für Lehrer in Belgien. Um in Belgien als Erzieher vom Kindergarten bis hin zur Oberstufe zu arbeiten, braucht man eine durch das Erziehungsministerium anerkannte Erzieherausbildung. Früher gingen die meisten Lehrer für eine Waldorfausbildung mehrere Jahre lang nach Deutschland oder Holland. In den letzten Jahren wurden durch die Vereinigung und verschiedene Schulgemeinschaften Ausbildungsmodule für Waldorfpädagogik organisiert, um den Lehrern die Möglichkeit einer beruflichen Entwicklung zu bieten.

Clara Aerts ist Waldorfkindergärtnerin und pädagogische Mitarbeiterin des Bundes der Steinerschulen in Flandern, Gastdozentin in verschiedenen Ausbildungsstätten weltweit und Mitglied der Koordinationsgruppe der IASWECE

Internetseite des Bundes der Steinerschulen in Belgien


Deutschland

Die Waldorfkindergarten Vereinigung in Deutschland umfasst zur Zeit 558 Waldorfkindergärten mit angeschlossener Kleinkindbetreuung in Krippe oder Tagesmutterverbund. Es sind ca.  24 881 Kinder zwischen Geburt und 6 Jahren in der Betreuung.

Die Waldorfkindergartenbewegung in Deutschland ist nach den verschiedenen Bundesländern in Regionale Arbeitszusammenhänge untergliedert. Es gibt je nach Bundesland verschiedene Rahmenbedingungen für Kindergärten. Die deutsche Vereinigung der Waldorfkindergärten erarbeitet jedoch allgemeine Vereinbarungen die für alle bundesdeutschen Waldorfkindergärten gelten.

Ihre Aufgabe ist es auch Ausbildung zu sichern und die Überregionale Zusammenarbeit zu stärken. Die Mitgestaltung von Kongressen, die Zusammenarbeit mit dem Bund der deutschen Waldorfschulen, dem Verband der Heilpädagogik und der pädagogischen Sektion in Dornach, sowie die Zusammenarbeit mit der IASWECE sind Aufgaben der Gemeinschaft der Deutschen Waldorfkindergartenbewegung.

Ein Schwerpunktthema der letzten Jahre war neben dem Aufbau einer Ausbildung für Kleinkindpädagogen eine Qualitätsoffensive. In den vergangenen Jahrzehnten waldorfpädagogischer Praxis werden viele Themen neu bearbeitet:Ganztägige Betreuung der Kinder im ersten Jahrsiebt, Unterstützungsmöglichkeiten für Familien, Aufgaben der Kleinkindpädagogik, den Waldorfkindergarten als Ort für das freie Spiel des Kindes stärken, und viel Themen mehr….

Der Ausbau der Kleinkindbetreuung hat in den letzten 15 Jahren begonnen und ist flächendeckend erfolgt.

Das Einschulungsalter wurde versuchsweise auf 5 Jahre abgesenkt, man hat aber so schlechte Erfahrungen damit gemacht, dass alle Kinder wieder mit 6 Jahren eingeschult werden können. In einzelnen Bundesländern ist es auch mit 7 Jahren möglich.

Die Aufgabe von Mentorierung und Begleitung von Kollegien und Vorständen nimmt immer größeren Raum ein. So hat die deutsche Vereinigung der Waldorfkindergärten, jetzt das Arbeitsfeld der Fachberatung durch Gründung einer Gesellschaft, den entsprechenden Rahmen gegeben: Hier arbeiten Fachberater (erfahrene Waldorfpädagogen), die Kindergärten in ihren Pädagogischen- und Selbstverwaltungsfragen, begleiten und beraten. Die Situation in Deutschland durch den Generationswechsel und die Steigerung der Kinderzahlen durch Geburten und Zuwanderung erfordert viele neue Waldorfkindergärten und Pädagogen.

Es arbeiten 11 Seminare zur Ausbildung von Waldorferziehern und sie werden den Bedarf nicht decken können. Hier liegt eine Zukunftsaufgabe!

Hartmut Beye, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und langjähriges Vorstandsmitglied

Internetseite der “Vereinigung der Waldorfkindergärten in Deutschland” mit den Adressen aller Kindergärten und Ausbildungsstätten


Norwegen

In Norwegen, einem Land mit 5 Millionen Einwohnern, gibt es 56 Waldorfkindergärten, in denen ungefähr 1800 Kinder von 1 bis 6 Jahren betreut werden.

Seit 1997 ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass alle sechsjährigen zur Schule gehen müssen. Der Lehrplan für die erste Klasse sieht daher in den meisten der 30 Waldorfschulen vor allen Dingen Tätigkeiten und Arbeitsweisen vor, die dem Leben im Kindergarten sehr ähnlich sind. Allerdings sind es dann keine gemischten Altersgruppen mehr wie sie im Kindergarten üblich sind.   

Alle diese Einrichtungen werden vom Staat finanziert, das bedeutet das bezüglich der Gruppengrösse und der Öffnungszeiten dieselben Regelungen gelten wie in allen anderen Kindergärten auch. – Eine aktuelle pädagogische Frage, die bei den Treffen und Fortbildungen der Landesvereinigung immer wieder besprochen wird: Wie können wir die besonderen Lebensbedingungen und Bedürfnisse der heutigen Kinder verstehen und ihnen mit Hilfe der Waldorfpädagogik in angemessener Weise entgegenkommen?


Zusammenarbeit. Alle norwegischen Waldorfkindergärten haben sich im “Steinerbarnehageforbundet” (Verband der Waldorfkindergärten in Norwegen) zusammengeschlossen. Einmal Jahr wird eine Landestagung veranstaltet, bei der ungefähr 350 Teilnehmer Vorträge und Arbeitsgruppen besuchen, die Fragen behandeln wie: die Haltung des Erwachsenen im Kindergarten, Bindungstheorie, wesentliche Merkmale der Waldorferziehung usw.

Ausbildung. Das Rudolf Steiner College University in Oslo bietet eine drei jährige Vollzeitausbildung sowie eine fünfjährige Teilzeitausbildung zum Waldorferzieher an. Beide Studiengänge können mit einem Bachelor Diplom abgeschlossen werden. Es gibt auch die Möglichkeite, einen Masterstudiengang zu machen. Der Unterricht findet in Englisch statt, die Studiengänge sind offen für Studenten aus aller Welt.

Kleinkinderziehung. Kinder im Alter von 1 bis 3 werden in Norwegen (von einigen Ausnahmen abgesehen) in besonderen Einrichtungen betreut. Ungefähr 75% der einjährigen Kinder verbringen den ganzen Tag in der Betreuung. Das kann verständlich machen, das wir als Waldorferzieher uns sehr stark mit den Fragen der Bindung, der Eingewöhnung und der Qualität von Kleinkindbetreuung beschäftigen.

Aurelia Udo de Haes ist Waldorfkindergärtnerin und Mitglied des IASWECE Councils.

Internetseite der Vereinigung der Rudolf Steiner Kindergärten in Norwegen
Studium an der Rudol Steiner Hochschule in Oslo


Kanada

Obgleich Kanada ein sehr großes Land ist, gibt es im Moment nur 26 Waldorfkindergärten in fünf von zehn Regionen Kanadas. Allerdings gibt es viele neue Initiativen in verschiedenen Entwicklungsstadien.

Waldorferziehung gibt es in Kanada seit den Gründungen der Waldorfschulen in Toronto im Jahre 1968 und in Vancouver (British Columbia) im Jahre 1969. Viele der heute existierenden Einrichtungen sind aus der dynamischen Gründungswelle der 70iger Jahre hervorgegangen und befinden sich in den Regionen British Columbia und Ontario. In Quebec und Alberta gibt es aber auch seit langem bestehende Einrichtungen. Zurzeit gibt es mehrere Initiativen an der Ostküste, wo in den letzten Jahren auch ein Ausbildungszentrum entstanden ist.

Einige der Einrichtungen werden teilweise vom Staat finanziert.


Zusammenarbeit. Die 26 Waldorfkindergärten in Kanada sind Mitglied der Waldorf Early Childhood Association of North America (WECAN) und arbeiten daher eng mit den Waldorfeinrichtungen in den Vereinigten Staaten zusammen.

Ausbildung. Die Einrichtungen, die vom Staat subventioniert werden, haben Mitarbeiter, die sowohl die Waldorfausbildung als auch die staatliche Erzieherausbildung absolviert haben. Von allen Gruppenleitern wird erwartet, dass sie eine Ausbildung in Waldorferziehung abgeschlossen haben. Es gibt zwei Seminare, die von WECAN anerkannt sind: Das „Rudolf Steiner Centre Toronto“ (RSCT) in Ontario, das 1978 gegründet wurde, und das im Jahre 1996 gegründete „West Coast Institute for Studies in Anthroposophy“ (WCI) in British Columbia. Beide arbeiten mit den Richtlinien der IASWECE und von WECAN.

Ruth Ker, Waldorferzieherin und Dozentin aus Vancouver Island, Kanada

Internetseite von WECAN