Digitale Kompetenz und Nutzung digitaler Medien in der frühkindlichen Bildung

Die International Association for Steiner Waldorf Early Childhood Education (IASWECE) bekräftigt die grundlegende Notwendigkeit entwicklungsgerechter, spielerischer, analoger Erfahrungen als Grundlage für lebenslanges Lernen und digitale Kompetenz.

Kinder brauchen eine menschenzentrierte, naturverbundene, reichhaltige und reale Teilnahme am Leben, um sich zu geerdeten, mitfühlenden und fähigen Individuen zu entwickeln. Der routinemäßige Einsatz digitaler Technologien in der frühkindlichen Bildung ist entwicklungsunangemessen. Die frühkindliche Bildung sollte die Entstehung digitaler Kompetenz fördern, indem sie einen Bildungskontext bietet, der kleinen Kindern gesundheitsfördernde, reale Erfahrungen ermöglicht, die eine starke Grundlage für ihr frühes Leben schaffen. Die frühkindliche Bildung muss dem Menschlichen, Beziehungsvollen und Greifbaren Vorrang einräumen.

Diese Erklärung zur Rolle bildschirmbasierter Technologien in der frühkindlichen Bildung (0–7 Jahre) bekräftigt eine pädagogische und ethische Haltung, die auf dem Steiner/Waldorf-Verständnis von Kindheit basiert, die die zunehmende Diskussion über Kindesentwicklung und digitale Kompetenz anerkennt und sich auf aktuelle neurowissenschaftliche Forschung, pädagogische Praxis und internationale Politik stützt.

Die in dieser Erklärung dargelegten Grundsätze und Praktiken werden durch die Forschung und internationale Zusammenarbeit im Rahmen des HERMMES-Projekts (Holistic Education, Resilience and Media Maturity in Educational Settings) das umfassende Leitlinien und forschungsbasierte Strategien zum Verständnis und zur Umsetzung eines altersgerechten Ansatzes für die Medienerziehung bereitstellt, vollständig unterstützt.

Altersgerechte digitale Kompetenz

 Kinder in der frühen Kindheit lernen in erster Linie durch ihre Sinne und direkte, gelebte Erfahrungen. Digitale Kompetenz erfordert dieselben Grundlagen. Sie entwickelt sich am besten durch analoge Grundlagen in Echtzeit und im realen Raum, wie z. B. Fein- und Grobmotorik, Vorstellungskraft, exekutive Funktionen, Empathie und Sprachfähigkeiten. Digitale Medien unterbrechen oder verdrängen naturgemäß diese Entwicklungsformen und Fähigkeiten. Aus diesem Grund sind digitale Tools und bildschirmbasierte Medien in frühkindlichen Bildungsumgebungen nicht altersgerecht.

Übermäßige digitale Stimulation beeinträchtigt die Fähigkeit von Kindern, sich sinnvoll mit der Welt auseinanderzusetzen, insbesondere wenn sie als Ersatz für die Aufmerksamkeit, das Spiel oder den Trost von Erwachsenen eingesetzt wird. Zu den potenziellen Schäden, die mit frühen Bildschirmkontakten aufgrund reduzierter persönlicher Interaktion verbunden sind, gehören emotionale Dysregulation, Hemmung der Empathieentwicklung, Schlafstörungen durch Bildschirmnutzung am Abend, verminderte Kreativität und spontanes Spiel aufgrund passiver, vorgegebener Medieninhalte sowie die frühe Entwicklung von Medienabhängigkeit oder Suchtverhalten.

Digitale Kompetenz ist ein langfristiges Bildungsziel. Sie beginnt in den frühen Jahren mit der Fähigkeit, zu beobachten, Vorstellungen zu bilden, zu konstruieren und sich sinnvoll auf andere und die Welt zu beziehen. Digitale Technologien sollten erst eingeführt werden, wenn Kinder eine solide Grundlage in Kommunikation, kritischem Denken und Vorstellungskraft aufgebaut haben. Vollständige digitale Kompetenz wird erst gegen Ende der Sekundarstufe erreicht, wenn kritisches Denken entwickelt ist.

Empfehlungen für Erzieherinnen und Erzieher

  • Bildschirmfreie Umgebungen: Schaffen Sie bildschirmfreie Umgebungen für die frühkindliche Bildung, die auf Spiel, Rhythmus, Natur und zwischenmenschlicher Interaktion basieren.
  • Analoge Werkzeuge und Erfahrungen: Betonen Sie die Verwendung realer Werkzeuge und greifbarer Prozesse, um die sensorischen und kognitiven Grundlagen für logisches Denken und kreatives Denken zu schaffen und eine solide Basis für das spätere digitale Lernen zu schaffen.
  • Vorbildfunktion von Erwachsenen: Leben Sie verantwortungsbewusste und gesunde digitale Gewohnheiten vor, darunter den Verzicht auf die Nutzung von Geräten in Anwesenheit von Kindern sowie die Konzentration auf den jeweils gegenwärtigen Moment.
  • Elterliche Anleitung und Einbeziehung: Bieten Sie Eltern Unterstützung an, um sie für die potenziellen Risiken der Nutzung digitaler Medien zu sensibilisieren und ihnen Präventionsstrategien aufzuzeigen, die das Wohlbefinden der Kinder stärken.
  • Unterstützende Nutzung unter besonderen Umständen: Setzen Sie digitale Medien in der frühkindlichen Bildung selektiv und zielgerichtet und nur als Hilfsmittel für Kinder ein, die zusätzliche Unterstützung benötigen, um sicherzustellen, dass sie den Zugang, die Kommunikation und die Entwicklung der Kinder entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen und Rechten verbessern.

IASWECE, Oktober 2025

Siehe auch:

HERMMES – Holistic Education for Resilience and Media Maturity in Educational Settings

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