Slowenien

Waldorferziehung in Slowenien gibt es jetzt seit 25 Jahren. Sie ist gesellschaftlich gut akzeptiert, hat einen guten Ruf, es gibt eine ständige Zusammenarbeit mit anderen pädagogischen Institutionen, mit dem Erziehungsministerium und den Gemeindeverwaltungen. Es gibt zurzeit 15 Waldorfkindergärten, 4 Waldorfschulen mit Unterstufe und eine Schule mit Oberstufe. Die meisten Einrichtungen sind Mitglied in der Landesassoziation. Das Interesse an der Waldorfpädagogik wächst ständig, vor allen Dingen in Ljubljana und Žalec, einer kleinen Stadt 70 km von der Hauptstadt.

Damit sich die Waldorfkindergärten und -Schulen in Slowenien weiter entwickeln, organisiert die Waldorf Landesvereinigung Ausbildungskurse für Lehrer und Erzieher. Zurzeit studieren in diesen dreijährigen Teilzeitkursen, die an Wochenenden stattfinden, 85 Studenten. Die Dozenten kommen aus Slowenien und aus vielen anderen europäischen Ländern (Norwegen, Dänemark, England, Holland, Österreich und Deutschland). Um mehr Kinder in die Schulen und Kindergärten aufnehmen zu können ist  es sehr wichtig dass genügend Menschen diese Ausbildung erfolgreich abschließen. Wir arbeiten mit dem Ausbildungszentrum in Zagreb/Kroatien zusammen, was bedeutet, dass wir gelegentlich gemeinsame Veranstaltungen durchführen, teilweise dieselben Dozenten haben und Erfahrungen austauschen.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Landesvereinigung ist die Qualitätspflege mit Mentoring in neu eingerichteten Schulen und Kooperation.

Als Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit haben wir im April 2015 einen  internationalen Erziehungskongress veranstaltet und eine Wanderausstellung mit Werken der Schüler der Waldorfschule Ljubljana, die in verschiedenen Städten des Landes und auch in Luxemburg zu sehen war.

Zavod za razvoj waldorfskih šol in vrtcev – zveza, Slovenia

Association for the Development of Waldorf Schools and Kindergartens

 


Ungarn

Die Waldorfkindergärten und –Schulen sind nach den Staatsschulen die zweitgrößte pädagogische Bewegung in Ungarn. Die Waldorfpädagogik ist die einzige Reformpädagogik, die sich in den letzten zwanzig Jahren durch ein Landesnetzwerk, eine Lehrer und Erzieherausbildung sowie durch die Einrichtung von pädagogischer Beratung etabliert hat. Zurzeit gibt es 49 Waldorfkindergärten, in denen 1356 Kinder betreut werden und 32 Schulen mit 4580 Kindern. Jedes Jahr entscheiden sich mehr und mehr Familien für die Waldorfpädagogik.

Zusammenarbeit. 1997 wurde die Waldorf Assoziation in Ungarn als gemeinnütziger Verein gegründet, in dem  Kindergärten, Schulen und Seminare Mitglied sind. Der Verein ist zuständig für Qualitätsentwicklung und für pädagogische Beratung und hat in den letzten Jahren sowohl das Schul- als auch das Kindergartenkurrikulum neu  überarbeitet. Die Zahl der Mitglieder und der Aufgaben ist steigend.

Innerhalb der Assoziation gibt es eine „Kindergarten Versammlung“, die aus Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen Kindergärten gebildet wird. Ihre Aufgabe ist:

  • Entscheidungen treffen bezüglich der Anerkennung von Waldorfkindergärten und Anträge neuer Initiativen bearbeiten
  • Regeln für die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Kindergärten entwickeln.
  • Fall nötig, das Waldorfkindergartenkurrikulum weiterentwickeln.
  • Die Beitragssätze der Kindergärten festsetzen.

  • Ausbildung: In Ungarn gibt es zwei anerkannte Ausbildungszentren. Eines davon bietet eine dreijährige Teilzeitausbildung an, in dem anderen, das erst vor kurzem eröffnet wurde, kann man eine dreijährige Vollzeitausbildung machen.

    Ein Blick zurück. Zwischen den beiden Weltkriegen entstanden mit Hilfe von Dr. Maria Göllner  in Ungarn zwischen 1926 und 1933 die ersten Waldorfkindergärten und –Schulen. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes wurden 1989 die ersten Waldorfkindergärten durch Initiativen aus der Zivilgesellschaft als staatliche Einrichtungen wiederbegründet.

    Geburt bis drei. Es gibt noch keine anerkannte Waldorfkrippe, aber es gibt eine wachsende Anzahl von Kleinkindgruppen in den Kindergärten, in denen Kinder von 2 bis 3 Jahren betreut werden. Bei den Landestreffen der letzten Jahre wurden Arbeitsgruppen zu diesem Thema angeboten und es gab an verschiedenen Orten Fortbildungsveranstaltungen. Bisher gibt es noch keine Ausbildung für die Arbeit mit dem Kind von der Geburt bis drei.

    Joli Kiss, Waldorferzieherin und Dozentin, Mitglied im IASWECE Council

    Internetseite der Waldorfassoziation in Ungarn Ausbildungen für Waldorferziehung in Ungarn

     


Irland

Es gibt 14 Kindergärten, die ordentliche Mitlieder in der „Steiner Kindergarten Vereinigung in Irland“ (ISKA) sind. Drei von ihnen sind an staatlich anerkannte Waldorfschulen angeschlossen. Viele der Kindergärten haben Kleinkindgruppen und/oder Eltern-Kind Gruppen. Zusätzlich zu den Kindergärten gibt es zwei offiziell anerkannte Eltern-Kind Gruppen.

ISKA ist eine staatlich unterstützte Vereinigung, die 1992 gegründet wurde, um  Pädagogen und Eltern bei der Entwicklung der Waldorfkindergärten in Irland zu unterstützen. Heute kann man sagen, dass die Waldorfbewegung in Irland aus dem Jugendalter ins erste Erwachsenenalter übergegangen ist. Sie findet jetzt ihren eigenen Weg in der irischen Erziehungslandschaft, sie wächst und gewinnt an Reife.

In Irland wie in einigen anderen Ländern auch, hat man in Bezug auf die ersten sechs Lebensjahre in letzter Zeit einen pädagogischen Ansatz entwickelt, der mehr vom Kind ausgeht. In vielen Einrichtungen versucht man, oft in noch sehr unvollkommener Weise, das von den Kindern selbst initiierte Spiel mit einzubeziehen und führt das formale Lernen etwas später ein. Im Kontext dieser im öffentlichen Diskurs entwickelten Perspektiven kann die Steiner Pädagogik ihre reichen Erfahrungen einbringen und kann eine größere Rolle spielen.

Hand in Hand mit dieser Neuentdeckung der frühen Kindheit kommen die Vor- und Nachteile der öffentlichen Finanzierung und des Qualitäts-Managements. Öffentliche Gelder für neue Initiativen, gibt es nur wenn Erzieherinnen und Eltern den bürokratischen Aufwand erledigen. Viele Kindergärten mussten daher Menschen für Büroarbeit und Verwaltung anstellen. Qualitätskontrollen durch verschiedene Behörden und zwei Regelwerke, die sogenannten „Rahmenbedingungen für Qualität in der Erziehung  von der Geburt bis sechs Jahren“, gehören zum Alltag der Erzieherinnen. Es erübrigt sich hinzuzufügen, dass dies eine zusätzliche Arbeitsbelastung für die Erziehrinnen darstellt,  die ohnehin schon viele unbezahlte Überstunden leisten.

Hinzukommt, dass der Staat jetzt drei Waldorfschulen offizielle anerkennt und vollständig finanziert. Die Kindergärten an diesen Schulen werden von ISKA unterstützt. Einerseits ist dies ein wichtiger Schritt, anderseits erfordert es eine intensive Arbeit an den Lehrplänen.

Ausbildung. Die ISKA bietet eine Ausbildung in Waldorferziehung an, die von Ulrike Farnleitner betreut wird. Es handelt sich um eine Teilzeitausbildung, deren erstes Jahr eine Einführung in die Anthroposophie bietet und einen Schwerpunkt setzt auf ganzheitliche  Persönlichkeitsentwicklung. Im zweiten und dritten Jahr können sich die Studentinnen und Studenten dann auf die Waldorferziehung in den ersten sieben Lebensjahren spezialisieren. In letzter Zeit ist das Interesse an der ISKA Ausbildung sowohl auf Landesebene als auch international gewachsen.

Sinead Duignan und Thérèse Perrot, Koordinatorinnen der „Steiner-Kindergarten Vereinigung in Irland“ (ISKA)

Internetseite der Steiner- Kindergartenvereinigung in Irland


Israel

Über hundert Kindergartengruppen arbeiten in Israel gemäß den Ideen und Prinzipien der Waldorfpädagogik. Die Größe der Gruppen ist variabel, sie sind über das ganze Land verstreut. Die meisten sind in Städten zu finden, doch gibt es auch viele in ländlichen Gegenden. In den meisten Gruppen wird hebräisch gesprochen, in einigen  wenigen Arabisch und es gibt auch zweisprachige Gruppen. Die rechtliche Stellung der Kindergärten ist sehr unterschiedlich: Es gibt viele Gruppen in privater Trägerschaft, einige werden teilweise vom Staat unterstützt und andere sind vom Staat anerkannt und werden zu 100% durch die öffentliche Hand finanziert.

Außerdem gibt es über zwanzig Schulen in verschiedenen Entwicklungsstadien. Einige davon haben Parallelklassen und sechs Schulen haben eine Oberstufe. Die meisten sind staatlich anerkannt.

Zusammenarbeit. Es finden mindestens zwei Tagungen für Waldorferzieherinnen und -Erzieher pro Jahr statt.

Ein Blick zurück: Der erste Kindergarten hat 1985 seine Arbeit begonnen, viele andere wurden unmittelbar danach gegründet. 1989 wurde eine erste Klasse in einer Waldorfschule aufgemacht. Die erste Oberstufenklasse folgte im Jahr 1997. Das Wachstum der Waldorfbewegung in Israel ist ziemlich dynamisch.


Geburt bis drei. Es gibt viele Gruppen, die gute pädagogische Standards haben. Aber da fast alle privat betrieben werden, ist die Situation sehr fluktuierend. In der Waldorferzieherausbildung wird auch die Arbeit mit dem Kleinkind berücksichtigt, aber es gibt noch viel zu tun: wir brauchen spezifische Kurse, um auf die Arbeit mit dem Kleinkind vorzubereiten, in den Ausbildungen müsste mehr Gewicht auf diese Altersgruppe gelegt werden, Fortbildungen müssten organsiert werden.

Ausbildung. Es gibt mehrere Ausbildungskurse für Steiner/Waldorfpädagogik im ganzen Land. Es handelt sich ausschließlich um berufsbegleitende Ausbildungen. Es gibt nur einen Kurs, der speziell eine Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher in Waldorfkindergärten und -Krippen anbietet.

Aktuelle Anliegen. Es gibt fortlaufende Gespräche mit dem Erziehungsministerium, aber niemand kann sagen, wie sich die rechtliche Situation der Einrichtungen weiter entwickeln wird. Es gibt auch viel zu tun, um die Qualität der Ausbildungskurse zu verbessern und um mehr Fortbildungen anzubieten.

Stefanie Allon, Waldorferzieherin und Dozentin, Gründerin des ersten Waldorfkindergartens in Israel. Mitglied im IASWECE Council.


Myanmar

Shan State ist die größte Region in Myanmar, die im Norden an China angrenzt, im Süden an Thailand und an Laos im Südosten. Diese gebirgige Gegend wird von Menschen bewohnt, die die Unabhängigkeit schätzen, hauptsächlich von der Landwirtschaft leben und ihre traditionelle Lebensweise beibehalten haben. Es gibt Gegenden, in denen Frauen und Kinder in großer Armut leben, oft aus  wirtschaftlichen Gründen, aber in bestimmten Teilen des Landes auch aufgrund von Bürgerkrieg.

Der Buddhismus spielt eine große Rolle in Myanmar. Die Klöster, seien es Nonnen- oder Mönchsklöster, haben eine wichtige Stellung in der Gesellschaft, sie gründen und betreiben Schulen, Kindergärten und medizinische Einrichtungen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und die Gehälter sind oft sehr gering. Die Kindergärten, die von den Klöstern oder Gemeinden gegründet werden sollen es den Eltern erlauben, eine Arbeitsstelle zu finden.

 
Wie kam es, dass die Waldorfbewegung in dieser Situation eine Rolle spielte?

Eine Gruppe von buddhistischen Mönchen und Erziehern hat  ausführliche Recherchen betrieben um eine Pädagogik zu finden, die dem kulturellen und  sozialen Stil ihrer Gemeinschaft entspricht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Waldorferziehung mit der Weltanschauung und den spirituellen Grundlagen des Buddhismus vereinbar sei. Im Jahr 2012 wurde dann mit Hilfe der IASWECE ein Einführungskurs  in die Waldorfpädagogik organisiert. Seitdem haben jedes Jahr zwei- bis dreiwöchige Kurse stattgefunden, die von 70 bis 80 Studenten besucht wurden. Ein Netzwerk von Kindergärten, „Dhamma Mitta“, koordiniert diese Ausbildungskurse, berät und unterstützt die Kindergärten, die Mitglied sind und gibt, so weit wie möglich, einen Zuschuss zu den viel zu geringen Gehältern der Erzieherinnen. Es gibt zurzeit 19 Klöster und Gemeindezentren mit Kindergärten mit über 1000 Kindern, in denen versucht wird, anfänglich die Waldorferziehung einzuführen.

Die Leiterin der Hitikari Schule in der Stadt Lashio im Norden des Landes, Aye Su Wattie, die auch ein Mitglied der Initiativgruppe war, die die Waldorfpädagogik entdeckt hat, stellt seit drei Jahren die Räumlichkeiten ihres Kindergartens für die Ausbildungskurse zur Verfügung. Drei Erzieherinnen dieser Einrichtung haben nach dem ersten Ausbildungskurs ein dreimonatiges Praktikum in einem Waldorfkindergarten in Thailand gemacht, sind ganz begeistert zurückgekommen und haben versucht anzuwenden und ihren Kolleginnen mitzuteilen, was sie gelernt haben. Erziehrinnen aus anderen Einrichtungen hatten Gelegenheit, im Hitikari Kindergarten ein Praktikum zu machen und an Workshops teilzunehmen. Allgemein wächst das Interesse an diesem Pilotkindergarten, der immer mehr Besucher anzieht.

Vor dem diesjährigen Ausbildungskurs hatte die Dharma Mitta Gruppe es mir ermöglicht, viele Kindergärten zu besuchen. Dies gab eine gute Grundlage für die Kursarbeit und für die Gespräche mit den Erzieherinnen und Leitern der verschiedenen Gemeinschaften.

Die praktischen Lebensbedingungen sowie die wirtschaftlichen und sozialen Umstände sind vielerorts schwierig. In einigen der ärmsten Kindergärten herrschte eine warme, liebevolle Atmosphäre, Freispiel ohne Spielzeug, Kinder die ehrfurchtsvoll  staunen können und Erwachsene, die die Bedürfnisse der Kinder verstehen und die sich entschlossen haben, so gut wie es geht sich in ihren Lebensumständen für die Waldorfpädagogik einzusetzen.

Es gibt eine große Kerngruppe, die sich fest vorgenommen hat, die Erziehungspraxis für die ihnen anvertrauten Kinder zu verbessern. Sie entwickelt auch schon Pläne für die nächste Etappe, für die Gründung von Schulen. Viele der beteiligten Pädagogen lernen Englisch, aber es besteht nach wie vor die Notwendigkeit, Studienmaterial in die lokalen Sprachen zu übersetzen. Bei all meinen Begegnungen, Gesprächen und Vorträgen war ich auf Übersetzer angewiesen, die liebevoll und geduldig ihre Sprachkenntnisse mit mir übten und meine Gedanken in Shan und in Burmesisch  wiedergaben. Die Qualität unserer Zusammenarbeit überwand aber alle Sprachbarrieren.

Nach meinem Besuch in Myanmar sind mir folgende Gedanken besonders in Erinnerung geblieben:

  • Die Menschen dort haben eine innere Stärke
  • Die Ideen und Prinzipien des Buddhismus sind dort sehr lebendig
  • Eine Reform des Erziehungswesens ist dringend notwendig.

Es scheint mir, dass diese Gedanken ein Echo sind der Schlussworte der „Allgemeinen Menschenkunde“ Rudolf Steiner:

„Durchdringe dich mit Fantasiefähigkeit
Habe den Mut zur Wahrheit
Schärfe dein Gefühl für seelische Verantwortlichkeit“

Kate Bryant ist Waldorferziehrin im Ruhestand und begleitet seit 2012 die Einführungskurse in Waldorferziehung in Myanmar.


Nepal

Am Ende der 90iger Jahre wurde mit Hilfe von Meyrav Mor aus Israel der erste Waldorfkindergarten in Nepal gegründet, der unter dem Namen Bal Mandir bekannt geworden ist. Meyrav hat dann Anfang 2000 auch die Tashi Waldorfschule gegründet, an die auch ein Kindergarten angeschlossen ist.

Ungefähr gleichzeitig wurde im Norden von Katmandu die Shanti Schule gegründet (zwei Kindergärten und eine Grundschule), -eine Einrichtung mit Waldorfelementen, die ein Teil einer größeren Initiative ist, die von der Shanti – Leprahilfe aus Deutschland getragen wird. 

Ein neuer Waldorfkindergarten namens Ankuran und eine kleine Schule, die bis zur zweiten Klasse geht, hat in den letzten Jahren in Khahara im Süden von Katmandu die Arbeit aufgenommen. Sie ist ein Teil der Kevin Rohan Memorial Eco Foundation (KRMEF). Im Norden, in der zweitgrößten Stadt des Landes, Pokhara, wurde 2014 von Ritman Gurung, Bishnu Shechen und anderen ein Kindergarten mit Waldorfelementen namens „Maitreya Pathshala“ gegründet.

Ausbildung. Jährlich werden zwei Ausbildungskurse durchgeführt: Ein Einführungskurs, der von der Nepalesin Sarita Sanghai geleitet wird und ein Kurs für Fortgeschritten mit einer erfahrenen Erzieherin aus dem Ausland, die von IASWECE empfohlen wird. Außerdem gibt es Kurse für Waldorflehrer mit Michal Ben Shalom (Israel) und Van James, die von den „Freunden der Erziehungskunst“ aus Berlin unterstützt werden. Auch Privatbesuche von Waldorfpädagogen geben uns Gelegenheit zur Fortbildung und erschließen Inspirationsquellen.

Die Fortgeschrittenenkurse finden in Katmandu statt, die Einführungskurse in verschiedenen Städten des ganzen Landes, wie zum Beispiel in Pokhara und Jomsom. Wir haben die Absicht, noch mehr Einführungskurse dieser Art anzubieten. Die Nachfrage ist groß, alle Kurse sind in der Regel überbelegt.

 
Die aktuelle Situation. Alle Steiner-Waldorfinitiativen wurden von den Erdbeben im April und Mai 2015 beeinträchtigt. Entweder wurden Gebäude zerstört (Shanti) oder beschädigt (Tashi), oder die Unterstützung wurde plötzlich eingestellt. Die Situation wurde noch durch eine inoffizielle 4 Monate dauernde Wirtschaftsblockade seitens des Nachbarn Indien verschärft.

Trotz dieser schweren Rückschläge haben alle Pädagogen der Waldorfinitiativen zusammengearbeitet, um das Leben der Kinder in den Flüchtlingslagern zu erleichtern. Die Tashi Waldorfschule hat sogar 35 Kindern aus den ärmsten Familien der ärmsten Flüchtlingslager in Katmandu einen kostenlosen Schulbesuch ermöglicht. Eine echte soziale Tat!

Alle Einrichtungen sind von Spenden und regelmäßiger Unterstützung abhängig, da  für einen großen Teil der Schüler seitens ihrer Familien kein Schulgeld gezahlt werden kann. Bespiel: In der Tashi- Schule beträgt das monatliche Schulgeld 4000 Nrs (38 $). Die wirtschaftlich besser gestellten Eltern können 100 Nrs (1 $) bezahlen. In der Schule bekommen die Kinder hierfür nicht nur Unterricht sondern auch zwei gesunde Imbisse und ein Mittagessen – oft ihre einzigen Mahlzeiten während des Tages.

Finanzielle Unterstützung sowie Aus-  und Fortbildung für die Pädagogen ist das, was die Waldorfbewegung in Nepal am dringendsten nötig hat.

Pädagogische Anliegen.  Jede Schule, die in Nepal eine neue, alternative Erziehungsweise einführen möchte, kommt in eine unvermeidliche Auseinandersetzung mit den Traditionalisten, die das Altbekannte und -bewährte trotz seiner offensichtlichen Nachteile beibehalten möchte. Diese Angst vor Veränderung lebt in vielen Menschen, daher begegnet man den Ideen der Steiner/Waldorfpädagogik zunächst Misstrauen und Widerstand. Starke Individualitäten sind nötig, die bereit sind, ihre „Komfortzone“ zu verlassen damit etwas so radikal Neues wie die Waldorferziehung tatsächlich realisiert werden kann.

Sarita Sanghai, eine gebürtige Nepalesin, ist Waldorferzieherin und lebt in Indien. Mehrmals im Jahr fährt sie nach Nepal um dort die Entwicklung der Waldorferziehung zu fördern,  vor allen Dingen durch Leitung von Kursen und Workshops, die von IASWECE unterstützt werden.


Australien

Es gibt ungefähr 40 Steiner- oder Waldorf Schulen in ganz Australien. Die erste Schule wurde 1957 gegründet. Jede Schule wird von einem unabhängigen Verein getragen. Da die Bevölkerung in den Küstenregionen wächst, gibt es hier einige Gründungsinitiativen. Viele ihnen haben ganz klein begonnen und hatten anfangs nur Eltern-Kind Gruppen. Die meisten Waldorfschulgemeinschaften gibt es längs der Küsten.

31 Kindergärten und viele Einzelpersonen sind  Mitglied in unserer Vereinigung. Die meisten Kindergärten sind Teil einer Schule. Außerdem gibt es viele Eltern-Kind Gruppen, Waldkindergarten- Gruppen und Familienkindergärten, die sich in der Umgebung der Schulen gebildet haben, vor allen Dingen in den größeren Städten.

Zusammenarbeit. Von Zeit zu Zeit gibt es die Gelegenheit, dass die Kolleginnen und Kollegen aus den Regionen zu einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung zusammenkommen. Alle zwei Jahre veranstaltet eine Region die sogenannte „Vital Years“ Tagung. Die Tagungen sind für viele junge Erzieherinnen sehr wichtig geworden. Da Australien geographisch so weit von den Arbeitszentren der erfahrenen Pädagogen der nördlichen Hemisphäre entfernt ist, haben wir es unternommen, immer auch Dozenten aus anderen Ländern einzuladen, die zusammen mit den Experten aus unserem Land die Fortbildungen gestalten und uns der Weltbewegung der Steiner-/Waldorfpädagogik für das kleine Kind näher bringen können.

Ein  konkretes Ergebnis der „Vital Years“ Tagungen ist unsere Zeitschrift „Star Weavings“. Sie wird sowohl im Land als auch international sehr geschätzt. 


Kulturelle Vielfalt. Australien ist ein multikulturelles Land mit einer dominanten Kultur, die in Großbritannien und Europa ihre Wurzeln hat. Verstärkt  haben aber in letzter Zeit auch Asiatische Kulturen einen Einfluss auf die Sprachentwicklung. Die Hinwendung zur Kultur der Eingeborenen verändert außerdem unser Verhältnis zum Umweltschutz, und verstärkt das  Bewusstsein und den Respekt gegenüber der Natur, der Erde, dem Wasser und den eingeborenen Tierarten. In den Kindergärten erzählen wir immer mehr Geschichten und Märchen aus der Kultur der Eingeborenen.

Ausbildung. Es gibt zurzeit drei Ausbildungszentren (Perth, Melbourne und Sydney), die vor allen berufsbegleitende Ausbildungen anbieten mit Blockkursen während der Ferienzeiten. Unsere Vereinigung wird 2017 ein Mentoring Programm beginnen.

Geburt bis drei. Ein Ausbildungskurs in Kleinkindpädagogik ist in Vorbereitung.

Aktuelle Themen.

  • Der staatlich verordnete Impfzwang für Vorschulkinder
  • Die immer grösser werdenden Lerninhalte, die bei der Schulreife untersucht per Test abgefragt werden sollen

Heather van Zyl ist Waldorferzieherin  und Mitglied im IASWECE Council.

Internetseite der Waldorfkindergartenvereinigung in Australien


Zimbabwe

Erste Check-in Runde mit 31 interessierten Kindergärtnerinnen mit der Frage: „ was erwartet Ihr von diesem Workshop?“ „Dass ich immer mehr und mehr die Waldorf-pädagogik verstehe, bis ich eine richtige Waldorfkindergärtnerin bin!“ „Dass die Waldorfpädagogik zur Pädagogik Zimbabwes werden kann!“ Dem Workshop ging eine dreiwöchige Reise voraus, zu allen 13 bereits inspirierten Kindergärten… und zwei neuen. Sie lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Solche, die Teil einer Primary School sind und von dort her finanziell ab- gesichert sind und solche, meist in privater Initiative, die die Grundversorgung für die Landbevölkerung anbieten und ohne jede finanzielle Unterstützung arbeiten müssen.

Warum geht es gerade um diese 13 Kindergärten? Kufunda learning village arbeitet mit 11 Communities im ganzen Land auf verschiedenen Ebenen zusammen, um sich an der Entstehung eines „neuen Zimbabwe“ aktiv zu beteiligen. Ein wichtiger Teil ist hierbei die Kindererziehung und damit die Kindergärten.

 
 Seit nun 5 Jahren finden in Kufunda jährlich die Sommerseminare statt. Wer jetzt an der Reihe ist, kann auf ein recht solides Fundament aufbauen und somit sich auf die praktische Umsetzung des Wissens konzentrieren. Unter dem Motto „Die Welt ist schön, die Welt ist gut, die Welt ist wahr“ (R. Steiner) haben wir uns der Schönheit unserer Kindergärten, als Lebensraum der Kinder ganz tätig, mit der Herstellung vieler schöner, farbiger und praktischer Schmuckelemente und Spielsachen gewidmet. Selbst spielend haben wir erfahren, wie mit diesen Spielsachen von den Kindern gespielt werden kann und was ein solches Spiel mit ihnen macht. Wir haben uns mit der Kinderzeichnung, als Ausdruck der kindlichen Entwicklung und mit dem Farbkreis, als Grundlage fürs Wasserfarbenmalen beschäftigt. Gut mit Material zum Weiterarbeiten ausgestattet gingen die Frauen zurück in ihren Alltag. Ihr größtes Problem ist im Moment, dass sie ein ganzes Jahr warten müssen, bis sie mir ihre neu gestalteten Kindergärten zeigen können… Das setzt Geduld und Durchhalte-vermögen schwer auf die Probe! Ihr grenzen-loser Idealismus ermutigt die Frauen und auch mich, weiter zu machen. So hoffe ich, diese wertvollen Sommerseminare mit der Hilfe von IASWECE und Simba Kufunda e.V. noch lange fortsetzen zu können! 

Johanna Birth ist Waldorferzieherin und lebt in Görwihl, Deutschland. Sie war öfters mit dem Verein Simba Kunfunda in Zimbabwe tätig                 


Mexiko

Es gibt heute 21 Waldorfschulen in Mexico, an jede von ihnen ist ein Waldorfkindergarten angeschlossen. Zusätzlich gibt es auch einige kleine private Einrichtungen, die von Eltern gegründet wurden, die Waldorferziehung für ihre Kinder praktizieren wollen.

Ein Blick zurück. Die Waldorferziehung kam durch Peter Webster in den 50iger Jahren nach Mexiko, der die „La Nueva Escuela – Una Escuela Waldorf“ in Mexico City gegründet hat. Ein paar Jahre später hat Hans Berlin eine staatlich finanzierte Waldorfschule in Ixtacalco gegründet, die eine Zeitlang „El Centro Educativo Goethe“ genannt wurde und heute „Escuela Waldorf de la Ciudad de Mexico“ heißt. Bis in die Mitte der 90iger Jahre wuchs die Waldorfbewegung in Mexiko nur sehr langsam. Drei Kindergärten wurden gegründet: „Colegio Yeccan“ in Guanajuato, „Escuela Waldorf“ in Cuernavaca und das „Centro Educativo Waldorf“  in Tlaxacala.

 
Ausbildung. Eine Waldorferzieherausbildung begann in Mexico erst im Jahre 2001. Heute gibt es folgende Angebote: Im Centro Educativo del Desarrollo Antroposofico (CEDA) kann man eine fünfjährige Ausbildung machen (jeweils drei Wochen im Sommer). Dann gibt es GITA, die den Schwerpunkt auf innere Entwicklung durch künstlerische Tätigkeiten legt, und schließlich die Ausbildung an der „Escuela Waldorf de la Ciudad de Mexico“. Verschiedene Dozenten bieten Praxisanleitung oder Fortbildungskurse für Erzieherinnen an. Über 100 Studenten haben vergangenen Sommer am Kurs der CEDA teilgenommen (Ausbildung sowohl für die Schule als auch für den Kindergarten).

Zusammenarbeit. Mexiko ist geographisch ein Teil von Nordamerika, die Waldorfkindergärten in diesen Ländern sind Mitglied bei der Waldorf Early Childhood Association of North America (WECAN). Neun Kindergärten sind Mitglied, entweder als Vollmitglied, oder als Waldorfinitiative. Einige Pädagogen würden gerne eine mexikanische Waldorfvereinigung gründen um die Zusammenarbeit besser zu organisieren und Material für die Vorbereitung der Pädagogen zur Verfügung zu stellen.

Privatschulen sind in Mexico gesetzlich zugelassen, bekommen aber keine staatliche finanzielle Unterstützung und sind oft mit unverhältnismäßig komplizierten bürokratischen Vorschriften konfrontiert. Trotz dieser Schwierigkeiten und des geringen Einkommens der Familien, werden jedes irgendwo in Mexiko neue Waldorfkindergärten und -Schulen gegründet.

Louise de Forest, ehemalige Waldorferzieherin in New York, Mitglied im Vorstand von WECAN und international tätige Dozentin

Internetseite der Vereinigung der Waldorfkindergarten in Nordamerika – Adressen der Waldorfkindergärten in Mexiko


Brasilien

In Brasilien ist die Waldorfbewegung schon 60 Jahre alt, es gibt dort 63 anerkannte Waldorfkindergärten und 104 weitere Einrichtungen, die sich zum Teil von Waldorferziehung inspirieren lassen. 

Waldorferziehung ist in fast allen Regionen Brasiliens vertreten, die Einrichtungen sind von den kulturellen und geographischen und sozialen Besonderheiten dieser Regionen geprägt. Langsam öffnet sich die Waldorfbewegung auch für die sozial benachteiligten Familien.

Zusammenarbeit. Die im Jahre 1998 gegründete “Federação das Escolas Waldorf no Brasil” ist ein Zusammenschluss aller Waldorfeinrichtungen im Land. 63 Kindergärten sind Mitglied. Alle drei Jahre wird eine große Tagung für Lehrer und Erzieher veranstaltet, die in den Sommerferien stattfindet. Zusätzlich gibt es jährlich kleinere Regionaltagungen.

Ausbildung: Es gibt 14 Seminare um der wachsenden Nachfrage nach Waldorferziehern in diesem großen Land gerecht zu werden. Das Seminar in São Paulo bietet wöchentliche Kurse an, die anderen Seminare sind vierjährige Teilzeitausbildungen, zu denen die Studenten vier Mal im Jahr zusammenkommen.   


Aktuelle pädagogische Anliegen.

  • Wir möchten, dass die sechsjährigen Kinder weiter von der auf das Freispiel orientierten Pädagogik im Kindergarten profitieren können. In einigen Regionen ist es möglich, dass Kinder erst mit 7 Jahren zur Schule gehen, in anderen Regionen ist dies ncht möglich.
  • Wir möchten ein besseres Verständnis der Bedürfnisse des ganz kleinen Kindes entwickeln, um eine spezifische von der Kindergartenpädagogik verschiedene Erziehungspraxis anbieten zu können. In Brasilien gibt es sogenannte Spielgruppen für zwölf ein- bis dreijährige Kinder. Es gibt einige wenige Krippen (für Kinder von 4 Monaten bis einem Jahr). 
  • Die Waldorfbewegung ist dabei, sehr stark zu wachsen. Die FEWB hat daher das Anliegen, auf die die Qualität der Erziehungspraxis in den verschiedenen Einrichtungen zu achten. Wie kann sichergestellt werden, dass der Name „Waldorf“ korrekt verwendet wird? 

Silvia Jensen, Waldorferzieherin in Florianopolis, international tätige Dozentin und Mentorin und Mitglied im IASWECE Council

Internetseite des Bundes der Waldorfschulen