Polen

Es gibt zurzeit 10 Waldorfkindergärten in Polen. Sie gehören Vereinigungen, Stiftungen oder Privatpersonen und sind unterschiedlich in Grösse, Anzahl der Gruppen und Öffnungszeiten. Alle sind teils durch staatliche Zuschüsse und teils durch die Eltern finanziert.

Es gibt auch viele durch die Waldorfpädagogik inspirierte Kindergärten in Städten wie Poznań, Grudziądz,  Bielsko Biała, Krakau, Wieliczka, Siemianowice und Wrocław. Einige sind daran interessiert, Waldorfkindergärten zu werden. In Warschau gibt es einen durch die Waldorfpädagogik inspirierten staatlichen Kindergarten, auch für Kinder mit Behinderungen.

Die Kindergärten bieten keine Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren an. Das Bedürfnis danach wächst langsam und als Antwort darauf finden in manchen Kindergärten einmal in der Woche Treffen oder Spielgruppen statt.

Kinder in  Warschau, Krakau, Poznań und Bielsko Biała können nach dem Kindergarten ein Waldorfschule besuchen. In diesen Städten gibt es Grundschulen mit 6 Klassen. In den drei erstgenannten Städten gibt es waldorfinspirierte Mittelschulen mit den Klassen 7 bis 9. Die Schule in Warschau plant jetzt, Oberstufenklassen 9 bis 12 zu eröffnen.

 
Ein Blick zurück. Die ersten Kindergärten in Polen waren kleine Gruppen in privaten Wohnungen, für die Kinder der Kindergärtnerin und die ihrer Freunde. Nach dem politischen Wechsel 1989 war es möglich, offen über Waldorfpädagogik und Anthroposophie zu sprechen und Vorträge und Workshops begannen stattzufinden.

Es wurde auch möglich, nicht-öffentliche alternative Schulen und Kindergärten zu eröffnen. In den späten 1980ern und frühen 1990ern begann die Eröffnung von Waldorfkindergärten, einige mit finanzieller Unterstützung aus dem Ausland, einige aus eigener Kraft.

Zusammenarbeit. Waldorfkindergärten und –Schulen sind zusammen in einer Vereinigung, der Związek Szkół i Przedszkoli Waldorfskich w Polsce (Vereinigung von Waldorfschulen und Kindergärten in Polen). Die Kindergärten haben ihre eigene Abteilung in der Vereinigung. Die Kindergärtnerinnen treffen sich regelmäßig und arbeiten zusammen. Es gibt eine große, offene nationale Tagung jährlich und mehrere kleinere Tagungen oder Workshops das Jahr über.

Ausbildung.  1992 wurde mit der tätigen Hilfe von Joop van den Heuvel aus Holland und von Maria Ziemska, einer Professorin der Warschauer Universität, eine Waldorflehrerausbildung an der Warschauer Universität organisiert als postgraduiertes Studium. In diesem Studienkurs, Podyplomowe Studium Edukacji Niezależnej, wurden seitdem Kindergärtnerinnen und Lehrer ausgebildet. Zuerst kamen die Dozenten aus Holland, Deutschland oder Österreich, jetzt sind die meisten Dozenten Polen.

Die Studenten kommen einmal im Monat nach Warschau, das in der Mitte des Landes liegt und meistens leicht mit der Bahn, dem Bus oder dem Auto in einigen Stunden zu erreichen ist. Sie nehmen an den Vorträgen und Workshops von Freitagnachmittag bis Sonntag teil. Sie kommen auch zu einem Intensivkurs im Sommer und sammeln Arbeitserfahrung in Kindergärten in Polen oder im Ausland. Der Ausbildungskurs wird von der IASWECE unterstützt.

Aktuelle Anliegen. Unsere Probleme sind strenge sanitäre und Seuchen betreffende Vorschriften, die oft unsere Art mit den Kindern zu arbeiten verhindern oder sie erschweren. Es kostet eine Menge Zeit und Kraft, mit den Behörden zu sprechen und die gesetzliche Genehmigung für unsere Art zu erhalten, und oft ist es nicht möglich. Zum Beispiel dürfen wir nicht mit den Kindern kochen oder Nahrung vorbereiten. Die Küche muss so strenge Anforderungen erfüllen, dass die meisten Kindergärten ihnen nicht nachkommen  können. Diese Vorschriften betreffen auch viele kleine Dinge wie Sand, Stühle oder Handtücher….

Andere Probleme entstehen durch sich ändernde Erziehungsvorschriften und Lehrpläne. In den letzten paar Jahren gab es viele Änderungen mit dem Übergang in die Schule und dem Alter für die Einschulung. Die Entwicklung und die Bedürfnisse der Kinder in Polen sind stark beeinflusst durch wirtschaftliche und politische Interessen.

Die Ausbildungsstätten für Kindergärtnerinnen und Lehrer arbeiten daran, die Waldorfpädagogik darzustellen und bekannt zu machen. Diese Pädagogik ist nicht sehr bekannt und einige in unserem Land haben unglücklicherweise ein verzerrtes Bild von ihr. Wir arbeiten daran, das zu ändern.

Maja Rębkowska ist Waldorfkindergärtnerin in Warschau und ist Mitglied  im Council der IASWECE.

Internetseite der Waldorfvereinigung in Polen


Tschechien

Kindergärten, die Mitglied in der Waldorfassoziation sind gibt es in Prag, Semily, Turnov, Pisek, Rovensko p.Troskami, České Budějovice und Brno. Rund 420 Kinder werden betreut von ungefähr 40 Erzieherinnen. Es gibt weitere 15 Kindergärten, die mit Elementen der Waldorfpädagogik arbeiten. Außerdem gibt es mehrere „Mütterzentren“ mit Eltern –Kind Gruppen und Elternberatung. In der Waldorferzieherausbildung sind zur Zeit 35 Studenten eingeschrieben.

Fortbildung und Zusammenarbeit. Jedes Jahr im Juli gibt es im kleinen Städtchen Semily im Norden der Tschechischen Republik ungewöhnliche Menschenansammlungen: anstelle des Gemeinderates versammelt sich im Rathaus eine Gruppe von bunt gekleideten Menschen aus allen Teilen Tschechiens, aus Russland, der Ukraine, Slowakei, Ungarns, Rumäniens und manchmal auch aus Westeuropa… Vorträge zur Bedeutung des freien Spiels, zur Bedeutung der Willenserziehung für die Ausbildung der Intellektualität stehen auf dem Programm. Nach den Vorträgen von Wolfgang Sassmannshausen zieht man zu Fuß durch die Innenstadt, zur zentral gelegenen Waldorfschule wo die die methodisch-didaktischen Arbeitsgruppen stattfinden. Bevor es weitergeht gibt es eine kleine Pause mit Volkstanz im Stadtpark oder Diskussionsrunden in einem Café…

Die Tagungen werden nicht nur von der IASWECE, von der Ernst- Michael Kranich Stiftung und vom Regionalverband der Waldorfkindergärten in Nordrhein-Westfalen unterstützt, sondern auch vom Bürgermeister, der die Räume zur Verfügung stellt, von einer Mitarbeiterin der regionalen staatlichen

Die Sommerakademie in Semily ist seit ihrer Begründung durch Johannes Schneider in den neunziger Jahren ein alljährliches wichtiges Ereignis, von der neue Impulse für die Arbeit der Waldorfkindergärten ausgehen. Es ist gleichzeitig die Abschlusswoche für die Studenten, die ihre dreijährige Teilzeit-ausbildung zum Waldorferzieher absolviert haben. Fünf bis zehn junge Menschen sind es, die jedes Jahr ihr Diplom bekommen.


Seit 2012 ist eine zweite wichtige Veranstaltung hinzugekommen: die „Pfingstkonferenz“ in Sluštice, eine interne Arbeit der Waldorferzieher, die in Mitgliedseinrichtungen arbeiten und die zu einer vertiefenden Arbeit zusammenkommen unter dem Motto: „Im Geiste sich finden, heißt Menschen verbinden.“ Auf dieser Konferenz entstand letztes Jahr der Gedanke, dass jeder Kindergarten gleichzeitig ein „Forschungszentrum“ werden könnte, der ein Jahr lang an einem bestimmten Thema arbeitet (Märchen, Musik, Wo mache ich Kompromisse und weshalb? Was sind wesentliche Elemente der Waldorferziehung?) und dann die Arbeitsergebnisse bei der nächsten Pfingstkonferenz vorstellt.

Zusätzlich zur Pfingstkonferenz gab es im laufenden Schuljahr auch zwei Fortbildungs-wochenenden mit Cornelis Boogerd zum Thema: „Der Ätherleib als pädagogisches Instrument“.

In Tschechien sind fast alle Kindergärten staatliche Einrichtungen. Seitens der öffentlichen Schulaufsicht gibt es aber nicht nur Sympathie wie in Semily sondern gelegentlich auch Schwierigkeiten: z.B. die Auflage, nicht jedes Kind aufnehmen zu dürfen, sondern nur Kinder aus dem betreffenden Stadtviertel.

Tania Smolkova, Waldorferzieherin in Prag und Dozentin in der Waldorfausbildung, Mitglied im IASWECE Council.


Litauen

In Litauen gibt es 20 Einrichtungen, die Waldorfpädagogik im Vorschulalter anbieten. Mehr als die Hälfte davon arbeiten unter dem Dach staatlicher Kindergärten und sind von dem Staat finanziert, die anderen sind unabhängige, von Vereinen getragene Initiativen.

Die Ausstattung und die Organisation dieser Einrichtungen ist sehr unterschiedlich: es gibt große  staatliche Waldorfkindergärten, es gibt Gruppen in staatlichen Kindergärten, die schon  seit mehr als zehn oder fast zwanzig Jahre arbeiten, es gibt unabhängige Kindergärten, die schon viel Erfahrung haben und auch ganz neue Initiativen, die ein Waldorfkindergarten werden möchten und schließlich Einrichtungen, die nur ein paar  Elemente von Waldorfpädagogik in ihre Erziehungspraxis aufgenommen haben.

Die Waldorfpädagogik ist offiziell als Alternativpädagogik anerkannt. Das schafft den gesetzlichen Hintergrund, Ideen der Waldorfpädagogik in Litauen zu realisieren und zu ermöglichen.

Alle Kindergärten in Litauen sind den ganzen Tag geöffnet.  In einer Gruppe werden normaler Weise  etwa 20 Kinder von 2 bis 3 Erzieherinnen den Tag über betreut. Schulpflichtig ist ein Kind, wenn es im laufenden Kalenderjahr sieben wird.

 
Finanzierung.  Staatliche Einrichtungen sind 100% vom Staat finanziert, unabhängige Kindergärten bekommen pro Kind 30% der notwendigen Ausgaben erstattet, den Rest bezahlen die Eltern. Manchmal gibt es noch einen kleinen Zuschuss der Gemeinde. Das heißt: bei den privaten Kindergärten besteht immer ein Überfluss an Geldmangel.

Ein Blick zurück und in die Zukunft.  Die Ideen der Waldorfpädagogik sind  Anfang der 90iger Jahre zu Beginn der Unabhängigkeit des Landes bekannt geworden. In den letzten Jahren wird Waldorfpädagogik immer beliebter und populärer. Man gründet neue Kindergärten und Schulen. Es gibt Elternkurse und öffentliche Veranstaltungen. Aber es gibt nur wenige Bücher über Waldorfpädagogik, die auf Litauisch publiziert wurden, wir haben noch keine Eurythmisten, keine anthroposophischen Ärzte. Darum kann man sagen, dass die Situation der Waldorfpädagogik sich noch im Pionierstadium befindet. Es gibt noch sehr vieles zu tun und nicht genügend Menschen, die das alles machen können.

Zusammenarbeit. Der Impuls der Waldorfpädagogik entwickelte sich hier auf besondere Weise mit viel Freiraum für persönliche Initiative. Wir haben eine Assoziation gegründet, in der nicht nur etablierte Waldorfkindergärten Mitglied werden können, sondern auch Initiativen, die es eines Tages werden möchten.  Folgende Aufgaben hat sich die Assoziation gestellt:  Die Qualität der Waldorferziehung in Litauen zu unterstützen, zu erhalten und zu pflegen, die Aus-und Fortbildung zu organisieren, die Zusammenarbeit zwischen den Menschen und Institutionen in Litauen und mit anderen Ländern zu stärken und zu intensivieren und generell sich für eine gesunde Kindheit einzusetzen.

Ausbildung.  Dies ist im Moment die Hauptaufgabe für unsere Assoziation: die Qualität der Waldorfpädagogik ist abhängig von der Ausbildung unserer Erzieherinnen. Ein neuer, von der Assoziation organsierter Ausbildungskurs (Teilzeit, berufsbegleitend) hat im Februar 2016 mit fast 40 Studenten begonnen. Er wird von der IASWECE unterstützt. Nach zweieinhalb  Jahren werden die Studenten ihren Abschluss machen.

Rasa Ragauskaitė Driukienė, Waldorferzieherin in Vilnius und Vertreterin  Litauens im IASWECE Council.

Internetseite der Assoziatation für Waldorferziehung in Litauen.

 

 

 

 

 

 


Rumänien

In Rumänien gibt es 57 Waldorfkindergartengruppen, in denen 1433 Kinder von 105 Waldorferzieherinnen betreut werden (Stand Oktober 2015).

Die Waldorfkindergärten und –Schulen sind in Rumänien Teil des staatlichen Bildungssystems. Die Waldorfpädagogik ist eine vom Erziehungsministerium anerkannte Alternativpädagogik, eine im Jahre 1996 unterzeichnete Vereinbarung sieht vor, dass  Waldorferzieher und –Lehrer den von ihnen formulierten Lehrplan realisieren können. – Die Waldorfkindergartengruppen sind oft Teil größerer Einrichtungen, in denen nicht in allen Gruppen  Waldorfpädagogik praktiziert wird. Außerdem gibt es zwei private Waldorfkindergärten.  Die Eltern der Waldorfgruppen und -Klassen haben an vielen Orten zu non-profit Vereine gebildet, die die Tätigkeit der Waldorfeinrichtung unterstützen und kulturelle Veranstaltungen zur Förderung der Waldorfpädagogik organisieren.

Zusammenarbeit. Die Waldorferzieherinnen haben sich im „Verein der Waldorferzieherinnen in Rumänien“ zusammengeschlossen  (AEWR) mit Sitz in Cluj, der Fortbildungen, Tagungen sowie Praxisanleitung für Berufsanfänger organisiert. AEWR ist Mitglied der „Waldorf Föderation Rumänien“, die die Arbeit aller Waldorfeinrichtungen koordiniert (Schulen, heilpädagogische Einrichtungen und Kindergärten). AEWR ist Mitglied in der IASWECE.

Ausbildung. Seit Ende der neunziger Jahre gibt es eine Ausbildung.  Für  diese dreijährige Teilzeitausbildung kommen die Studenten für fünf Wochen im Jahr zu einer intensiven seminaristischen Arbeit nach Cluj.   (eine Woche im Frühling, drei im Sommer und eine im Herbst) Jedes Jahr absolvieren dort 20- 30 Studenten ihren Abschluss als Waldorferzieher. Heute werden sie zum großen Teil von rumänischen Dozenten betreut, jedes Jahr geben auch ein oder zwei Dozenten aus dem Ausland einen Kurs. IASWECE unterstützt seit vielen Jahren die Ausbildung und die Tagungen der Waldorfkindergärtnerinnen. Seit 2015 gibt es auch einen Ausbildungskurs in Bukarest, der ebenfalls von der IASWECE unterstützt wird.

Einige Besonderheiten Rumäniens. In diesem Land mit zwei Millionen Einwohnern (Hauptstadt Bukarest mit fast 2 Millionen Einwohnern) gibt es eine große kulturelle Vielfalt. Die Landessprache ist Rumänisch, es wird aber in einigen Regionen auch Ungarisch gesprochen. Viel Menschen sprechen aber auch Französisch, Deutsch oder Englisch. (Bukarest nennt man auch Klein-Paris und Timisoara „kleines Wien“.)  Wie in vielen anderen ist der Beruf des Lehrers und Erziehers sozial und wirtschaftlich nicht genügend anerkannt.

Angela Dana, Waldorferzieherin in Timisoara, Mitglied im Vorstand der AEWR und Mitglied im Council der IASWECE


Estland

In Estland gibt es acht Waldorfkindergärten – bei nur 1.3 Millionen Einwohnern und gerade 25 Jahren Existenz nicht wenig!

Ein Blick zurück. Am 1. September 1990 – damals war Estland noch Teil der Sowjetunion – konnten an fünf verschiedenen Orten Kinder in einer Waldorfschule Aufnahme finden. Nur kurze Zeit später eröffneten auch die ersten Waldorfkindergärten.

Ausbildung. Seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit, dass staatlich ausgebildete Erzieherinnen einen einjährigen Fortbildungskurs für Waldorferziehung an der Universität Tartu machen können. Drei solcher Kurse mit jeweils an die 50 Teilnehmerinnen haben bereits stattgefunden und haben jedes Mal Unterstützung von der IASWECE bekommen. Dozenten waren Waldorferzieherinnen aus Estland, Deutschland, Schweden und Frankreich.

Zusammenarbeit: Die  Waldorfkindergärten sind Mitglied in der estnischen Waldorfvereinigung und treffen sich  zwei Mal im Jahr zu Fortbildungsveranstaltungen. Auch im Jahre 2015 wurde die Fortbildung von der IASWECE unterstützt.

Kristina Rosin, ist Waldorferzieherin in Tallin und Mitglied im IASWECE Council

Internetseite de Landesvereinigung

 


Russland

In Russland gibt es ca. 115 Waldorfgruppen in mehreren Regionen (europäische Region, Ural, Sibirien, Baikal). Die meisten Gruppen sind privat, ein kleiner Teil davon befindet sich in den staatlichen Kindergärten, es gibt auch Gruppen, die an Waldorfschulen angeschlossen sind.

Kindergärten werden von Kindern von 3 bis 7 Jahren besucht. Für Kinder von 1,5 bis 3 Jahren gibt es Teilzeitgruppen. In Russland können Kinder den Kindergarten bis zum Alter von 8 Jahren besuchen. In diesem Jahr wurde das Waldorfkindergartenprogramm „Berjezka“ staatlich anerkannt, weil es den neuen Bildungsstandards entspricht. Privatkindergärten werden von Eltern finanziert.

Ausbildung. Bereits im Jahr 1991 haben wir mit der Erzieherausbildung  begonnen und das „Waldorfzentrum für Vorschulerziehung“  gegründet. 1993 fand der erste Abschluss statt – 42 Menschen wurden Waldorferzieher. Seit dieser Zeit nimmt das Zentrum neue Studenten jährlich auf, und es sind mittlerweile 337 Menschen, die diese Ausbildung hinter sich haben.

Im Zentrum werden sowohl Moskauer, als auch Studenten aus anderen russischen Regionen ausgebildet. Die Absolventen haben ca. 89 Waldorfgruppen in Moskau, Sankt-Petersburg, Smolensk, Samara, Tscheboksary, Iwanowo, Jaroslawl, Rjazan, Wladimir, Nishnij Nowgorod, Kazan, Tomsk, Woronesch, Ufa, Krasnojarsk, Vyatka, Irkutsk, Saratow, Sotschi, Kostroma, Tula gegründet. Unter den Absolventen gab es Ukrainer, Litauer, Armenier, Weissrussen, die Waldorfkindergärten in Kiew, Vilnius, Jerewan gegründet haben.

Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Im Laufe der ersten 2 Jahre kommen die Studenten dreimal im Jahr für je 3 Wochen. Im dritten Jahr bereiten sie eine Abschlussarbeit vor und kommen für einwöchige Kolloquien dreimal im Jahr. Außerdem werden Fortbildungen für tätige Waldorferzieher angeboten, Elternkurse, Einführungskurse in die Waldorfpädagogik sowie öffentliche Vorträge und Workshops. – Seit ein paar Jahren gibt es auch eine Initiative in Rostov am Don, die eine kleine Erzieherausbildung begonnen hat. Sowohl das Seminar in Moskau als auch die Initiative in Rostov werden von der IASWECE unterstützt.


Zusammenarbeit: 1995 ist die „Vereinigung der  Waldorferzieher“ gegründet worden. Jedes Jahr im November kommen aus ganz Russland Waldorferzieher zu einer Tagung zusammen, sie findet jeweils in einer anderen russischen Stadt statt. Außerdem haben die Erzieher  gemeinsam ein Programm für die Waldorfkindergärten in Russland  erarbeitet und besprechen methodische Fragen. IASWECE gibt Reisekostenunterstützung für Teilnehmerinnen.

Aktuelle Fragen: Frühe intellektuelle Entwicklung und Frühförderung ist sehr populär bei jungen Eltern.  Wie können wir darauf angemessen antworten? Wie gehen wir mit Kindern um, die schon stark von der Konsumgesellschaft geprägt sind und dauernd Gadgets zur Schau tragen? Wie können wir chronischen Bewegungsmangel ausgleichen?

Kleinkindbetreuung. Eine beliebte Arbeitsform in den letzten 12 Jahren sind Teilzeitgruppen für Kleinkinder (von 1,5 bis 3 Jahren) und Eltern. Im November 2015 hat ein Fortbildungskurs über die Arbeit in Kleinkindergruppen mit Kindern von 0 bis 3 Jahren stattgefunden. Der Kurs wurde von Claudia Grah-Wittich und Marie-Luise Compani durchgeführt. Im Moment gibt es 7 Kleinkindgruppen.

Ein Blick zurück.  Die erste Waldorfkindergarten-Gruppe wurde 1988 in Moskau eröffnet. Seit Beginn der 90-er Jahre wurden Waldorfkindergarten-Gruppen in ganz Russland gegründet.Die ersten Waldorfgruppen wurden 1992 in Moskau, Zelenograd, Shukowski, Rjazan, Sankt-Petersburg, Kazan, Tjumen, Tomsk, Kirow, Ufa, Wladimir, Samara, Smolensk, Irkutsk und Woronesch gegründet. Heutzutage gibt es in Russland 22 Schulen mit über 5000 Kindern.

Svetlana Efremowa und Elena Gramotkina,  Dozentinnen am  Waldorferzieherseminar in Moskau, Mitglieder im Council der IASWECE.

Seminar für Waldorferziehung in Moskau.


Indien

In Indien gibt es 25 Waldorfkindergärten. Einige davon sind Initiativen, die erst vor kurzem gegründet worden sind. Indien ist ein großes Land, die verschiedenen Waldorfeinrichtungen sind weit voneinander entfernt.

Die meisten Waldorfkindergärten haben altersgemischte Gruppen für Kinder von 3 bis 6 Jahren. Einige haben auch Spielgruppen für Kinder von 2 bis 3 Jahren. Es gibt so gut wie keine Vorschulpolitik in Indien. Staatliche Anerkennung oder Unterstützung ist daher bisher undenkbar.


Ausbildung. Einführungs- und Fortbildungskurse finden jedes Jahr in Khandala statt, die Dozenten kommen zum großen Teil aus dem Ausland, es gibt aber auch schon einige Dozenten aus Indien. IASWECE unterstützt diese Ausbildungsinitiative seit mehreren Jahren. Es gibt zwei Teilzeitausbildungen in Waldorfpädagogik, von denen die eine -in Navi Mumbai- sich ausschließlich an Waldorferzieher wendet. Langfristig möchten wir erreichen, dass es auch eine Vollzeitausbildung in Waldorferziehung in Indien gibt. – Es gibt Schulen, die Dozenten aus dem Ausland einladen, um speziell eine auf die Schule zugeschnittene Ausbildung zu organisieren und auch, um Berufsanfänger zu begleiten. Es gab Dozenten und/oder Mentoren, die bis zu sechs Monaten eine Schule begleitet haben!

Zusammenarbeit. 2014 wurde ein Verein für Waldorferzieherinnen in Indien gegründet, der  “Sadhana” heißt. Die Aufgaben, die dieser Verein durchführen will, sind zum Beispiel: Tagungen und Fortbildungen auf regionaler und auf Landesebene organisieren, Hilfestellung geben bei Neugründungen, die Praxisanleitung für Berufsanfänger koordinieren und die Ausbildung weiter entwickeln.

Unsere Anliegen. 
1) Die Elternarbeit aufbauen und unter den Eltern das Bewusstsein für die Bedürfnisse des Kindes wecken.
2) In Großstädten und deren Umgebung gibt es viele neue Waldorfkindergärten. Sie brauchen Hilfestellung und müssen begleitet werden.
3) 50% der Eltern sind der Meinung, dass Lesen und Schreiben nicht zu früh und zu schnell gelernt werden sollten. An diese Stimmung in der Bevölkerung müssen wir anknüpfen.
4) Der überwiegende Teil der Eltern von Waldorfkindergärten möchten, dass ihre Kinder auch nach dem Kindergärten von der Waldorfpädagogik profitieren. Es müssen mehr Waldorfschulen eingerichtet werden.

5) Es ist schwierig, ausgebildete Waldorferzieherinnen zu finden, da es noch keinen vollstândigen Ausbildungskurs in Indien gibt.
6) Viele Kindergärten werden durch Autodidakten gegründet, Sadhana möchte nicht nur Methoden sondern auch die Grundlagen der Waldorfpädagogik bekannt machen.
7) Wir möchten weiterhin Lieder, Geschichten und Gebräuche aus der indischen Kultur der Waldorfpädagogik entsprechend in den Kindergartenalltag integrieren.
8) Die Erzieherinnen bleiben oft nur zwei oder drei Jahre nachdem sie die Ausbildung gemacht haben, in demselben Kindergarten. Wir möchten versuchen zu erreichen, dass sie sich etwas dauerhafter mit der Einrichtung verbinden.

Ein Blick zurück. Die Waldorfbewegung in Indien ist ungefähr 18 Jahre alt. Die ersten Schulen wurden fast gleichzeitig in Mumbay und Hyderabad gegründet. Anfangs wurden die Erzieherinnen direkt vor Ort von Miriam Haenen and Tina Brusma ausgebildet. Sechs Jahre waren nur diese beiden Dozenten aktiv, dann kamen nach und nach andere hinzu.   

Sucheta Garud ist ehemalige Waldorferzieherin, Mitglied im Vorstand von Sadhana und IASWECE-Councilmitglied). Internetseite der VVereinnigung der Waldorfkindergärten in Indien: http://www.siwka.org/

 


Vietnam

Seit dem Jahr 2000 gibt es einen Kindergarten mit Waldorf Elementen in einem Waisenhaus in Ho Chi Minh Stadt, in dem Kinder von der Geburt bis zum Ende des Jugendalters leben können. Es gibt  zwei weitere Kindergärten in anderen Regionen sowie Gründungsinitiativen in Hanoi, Nha Trang und Danang. Außerdem wurde vor kurzem ein Kindergarten mit Waldorfelementen in einer Camphill Gemeinschaft in Hu gegründet.

Ein Blick zurück.  Die Geschichte Vietnams ist geprägt von Armut und Krieg. Es war der Wunsch, den Opfern dieser Ereignisse zu helfen, die eine Gruppe von Waldorfpädagogen und Eltern in Australien dazu gebracht hat, sich dort zu engagieren und das „Vietnam Childrens Project“ (VCP) im Jahre 1999 zu gründen. Die Gründungen der drei Kindergärten waren eine Initiative dieses Vereins und auch die beiden Ausbildungskurse für Waldorferzieherinnen wurden von ihm organisiert. Thanh Cherry war eine treibende Kraft in diesem Verein und hat jahrelang die Kindergärten beraten und bei der Ausbildung mitgewirkt.


Ausbildung.  2012 begann der erste offizielle Ausbildungskurs mit 12 Studentinnen, die bereits als Erzieherinnen tätig waren. In den folgenden drei Jahren haben viele international tätige Dozenten ihre Zeit dafür hergeben, in diesem Kurs zu unterrichten und die Kindergärten zu beraten so dass dieser Kurs 2015 erfolgreich die Ausbildung abschließen konnte. Eine öffentliche Veranstaltung wurde zu diesem Anlass in Ho Chi Minh Stadt organisiert, was dazu führte, dass Waldorfpädagogik bekannter wurde und eine neuer, dreijähriger Ausbildungskurs beginnen konnte.

Heute gibt es zwei Ausbildungskurse in Vietnam, einen in Ho Chi Minh Stadt  mit 28 Studentinnen und  einen in Hanoi mit 15 Studentinnen. Wir sind sehr dankbar, dass die IASWECE, die „Freunde“ und der IHF diese Ausbildungen unterstützen. Sie bieten eine anfängliche Ausbildung für Menschen an, die sich in dem expandierenden Kindergarten Tho Trang in Ho Chi Minh Stadt engagieren möchten, oder in den oben erwähnten Gründungsinitiativen.

Waldorfschule. Aus dem Tho Trang Kindergarten ist jetzt auch eine Schule hervorgegangen, die im September 2015 mit einer 1. Klasse begonnen hat. Tho Trang braucht jetzt dringend neue Räumlichkeiten für die geplanten vier Krippengruppen, die vier Kindergartengruppen und für die Klassen eins bis sechs.  Die harmonische Weiterentwicklung dieser Einrichtung, die für die künftigen Generationen in Vietnam sehr wichtig ist, wird anfangs natürlich weitgehend von der großzügigen Unterstützung von Sponsoren und Spendern auf der ganzen Welt abhängen.

Geburt bis drei. Dieses Jahr organisieren wir Module speziell für die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren. Es gibt mehrere Kindergärten, in denen es Krippen- oder Kleinkindgruppen gibt.

Wichtige Anliegen.

  • Wir fragen uns, wie wir den strengen gesetzlichen Auflagen bezüglich des Lehrplans und der Raumgestaltung gerecht werden können.
  • Wir müssen strenge hygienische Regeln einhalten, weil die Seuchengefahr groß ist. In einigen Gegenden gibt es jedes Jahr Ausbrüche der Mund und Klauenseuche, die für Kinder tödlich sein kann. Wir brauchen Spielzeug, das nicht durch die ständigen Desinfizierungen kaputt gemacht wird.
  • Viele etablierte, mit herkömmlicher Pädagogik arbeitende Einrichtungen, würden gerne die Waldorfpädagogik einführen, haben aber kein ausgebildetes Personal. Den Namen „Steiner-Waldorf“ zu schützen wird für uns eine große Herausforderung.
  • Hier im Land fehlen uns qualifizierte Mentoren, die Kosten für internationale Mentoren sind hoch.
  • In einem unterentwickelten Land wie Vietnam wird die Entwicklung der Waldorfpädagogik durch den ständigen Geldmangel stark behindert.
  • Wir müssen Spender und Sponsoren für die laufenden und die neuen Initiativen im Land suchen.

Thanh Cherry, Vorstand im VCP, und Shirley Bell, Gründungsmitglied des VCP. Beide leben in Australien und sind in China und Vietnam verantwortlich in der Waldorfkindergartenbewegung tätig.


Südafrika

Es gibt 17 Waldorfschulen in Südafrika, und in enger Verbindung mit ihnen arbeiten ungefähr 50 Waldorfeinrichtungen für Kinder unter sechs Jahren: Kleinkindgruppen (2- bis 3-jährige Kinder) Spielgruppen (3- bis 4-jährige Kinder) und Kindergärten (4- bis 6-jährige Kinder). Einige Waldorfschulen sind dabei, Krippen zu gründen (für Kinder von der Geburt bis 3 Jahren). Immer mehr Kindertagesstätten in den Slums sind interessiert daran, Teil der Waldorfbewegung zu werden. Die Erziehrinnen dort bekommen Ausbildung, Praxisanleitung und nehmen an Fortbildungen teil.

Ausbildung. Das „Centre for Creative Education (CFCE) in Cape Town bietet seit Jahren verschiedene Ausbildungsgänge an: Ausbildung zum Waldorferzieher (Abschluss mit einem Diplom Niveau 4 oder 5), Bachelor in Eurythmie, eine Masterausbildung als Grundschullehrer. Sie sind staatlich anerkannt.

Die Erzieherausbildung wird vor allen Dingen von Kolleginnen genutzt, die in den Slums arbeiten. Jedes Jahr gibt es ca. 20 Studentinnen, die ihr Diplom bekommen. – Es gibt außerdem eine Teilzeitausbildung in Kleinkinderziehung. Das CFCE ist abhängig von der großzügigen Unterstützung von Spendern aus dem In- und Ausland. IASWECE unterstützt seit vielen Jahren die Ausbildungsgänge für Erzieherinnen. Zu Zeit werden dringend ausgebildete Erziehrinnen gesucht, die die Praxisanleitung in den Townships machen können, auf diesem Gebiet gibt es zusätzlichen Finanzierungsbedarf.

In Blick zurück und in die Zukunft. Die Waldorfbewegung in Südafrika ist an einem interessanten Punkt ihrer Entwicklung. Die zuerst gegründeten Waldorfschulen sind jetzt 56 Jahre alt, das bedeutet dass die letzten in der Gründerzeit aktiven Kollegen jetzt den jüngeren Generationen die Aufgabe überlassen haben, die Einrichtungen zu führen und die Erfahrungen der Vergangenheit mit den Anforderungen der Gegenwart zu verbinden. Es gibt sehr viele junge Kollegen die sich dafür einsetzen, dass die Einrichtungen mit einer gewissen Dynamik den Bedürfnissen dieses Landes entgegenkommen können.


Zusammenarbeit. Die „South African Federation of Waldorf Schools“ koordiniert die Zusammenarbeit der Waldorfschulen und –Kindergärten. Die Vereinigung setzt sich zurzeit besonders mit den staatlichen Bestrebungen der Vereinheitlichung und Zentralisierung des Erziehungswesens auseinander. Durch intensive Kontakte mit verschiedenen Stellen des Erziehungsministeriums hat sie bisher die Unabhängigkeit der Waldorfbewegung bewahren können. Angesichts der wachsenden Auflagen und des Bestrebens, ein obligatorisches Vorschulkurrikulum einzuführen, ist die Arbeit der Vereinigung besonders für die Kindergärten lebenswichtig.

Wichtige Anliegen. Der Unterschied zwischen arm und reich klafft immer mehr auseinander, einige Waldorfschulen arbeiten in wirtschaftlich sehr beschränkten Umständen. Ohne die Unterstützung von Spendern aus dem In- und Ausland würden sie unter Umständen nicht überleben.

Gewalt im öffentlichen und privaten Bereich nimmt immer mehr zu, die Folgen zeigen sich deutlich bei einigen Kindern. Waldorfkindergärten und –schulen bieten eine Oase der Ruhe und pädagogisch-therapeutische Heilung für seelisch verwundete und missbrauchte Kinder. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die pädagogische Hilfe nicht ausreicht und dass Familienberater und Therapeuten angestellt werden müssen. Aufgrund der hohen Kriminalität sind Schulen mit Vandalismus und Diebstahl konfrontiert und müssen besondere Maßnahmen ergreifen um sich zu schützen:  Zäune Wachpersonal, Sicherheitsschleusen und Eltern, die abwechselnd in der Schule übernachten, um das Gelände zu bewachen…

Es gibt sehr viele Herausforderungen in Südafrika. Es ist ein Segen, dass es eine dynamische, positiv eingestellte und wachsende Waldorfbewegung gibt, um sie aufzugreifen. Durch Ausdauer, Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft ist vieles möglich.

Mary- G. Häuptle ist Waldorferzieherin, Dozentin und Mentorin am CFCE in Cape Town und Mitglied im IASWECE Council

Internetseite der Landesvereinigung 
 Ausbildungszentrum (CFCE)